achtet nicht auf das Vorige!
Denn siehe, ich will ein Neues machen;
Jetzt soll es aufwachsen, und
Ihr werdet’s erfahren,
dass ich Weg in der Wüste mache und
Wasserströme in der Einöde.
Ob im Eis des Winters,
ob in der Flut der Wasser,
ob in der Trockenheit der Steinwüste,
ob in der Finsternis der Polarnacht,
Mensch, lass dich nicht irritieren,
schau auf die Lichtmarken,
die dich den Weg nicht verlieren lassen,
die dich bei jedem Wetter leiten,
wie eisig, unter Wasser, trocken oder dunkel
dein Land auch ist.
Ewige Wahrheit.
Ewige Weisheit.
Ewige Dankbarkeit.
Lobgesang aller Psalmen.
Die zwei Männer kamen auf mich zu. Vater und Sohn, Bruder und Patensohn. Seite an Seite. Es sind die Augenblicke, in denen man wahrnimmt, was man nicht sieht, was nicht in Worte passt. Ich habe bei ihnen Freude gesehen, einträchtige, frohe Freude. Freude, die gar nicht passen wollte zu dem Unglück vor gut 2 Wochen. Mein Bruder sah mich an, als sehe er mich zum ersten Mal. Du siehst gar nicht aus, wie ein Patient, meinte ich, als wir uns die Hände reichten. Ich sehe wieder. Die letzten zwei Tage sind seine verätzten Augen auf wundersame Weise geheilt, nicht 100%, aber so, dass er wieder sehen, erkennen, lesen kann. Den Ärzten ist das ein Rätsel.
Ich bin nur dankbar. Hier sind die Wunder, von denen manche meinen, sie gebe es nicht. Jesus macht Blinde sehend, auch heute noch. Wo seine Gnade hinfällt, ist Segen. HERR Gott, du hast meine Gebete erhört. Ich lege mich zu deinen Füßen und weine vor Dankbarkeit.
So feiern wir heute Hochzeit, der wir mit gemischten Gefühlen entgegensahen, mit doppelter Freude.
Rosen mit Dornen
Das Eis brüchig,
der Eimer geleert,
der Krug zerbrochen,
der Schlüssel unter der Matte,
nichts zu ergründen,
finde dich ab.
Alles gegeben,
nichts behalten,
es dauert Jahre,
der Weg zu mir zurück.
Franz von Sales: Lege den Schlüssel unter die Matte
Mascha Kaléko: Resignation für Anfänger
Hilde Domin: Leere den Eimer

Ein Feigenbaum stand in der Wüste,
kahl, wie verdörrt.
Kein Blatt, keine Frucht,
Jahr um Jahr.
Ein Rabe,
der seine Arche ganz in der Nähe geparkt hatte,
kam aus der Luke,
suchte ein Blatt am Feigenbaum.
Vergeblich,
Jahr um Jahr.
Der Feigenbaum schüttelte ihn ab.
Nein, ich treib nicht aus,
sonst kommt nur der Rabe und
holt sich ein Blatt.
Jahr um Jahr.
Hin und weder kamen Sperlinge,
sie machten sich keinen Kopf um das Blatt.
Sie setzten sich einfach auf einen kahlen Zweig
und zwitscherten dort unbekümmert auf Platt.
Jahr um Jahr.
Doch der Feigenbaum
erfreute sich nur kurz an ihrem Gesang,
So flatterten sie wieder davon,
zum nächsten Baum,
Jahr um Jahr.
Der Feigenbaum fragte sich,
soll ich wieder grünen?
Frucht treiben?
Der Gedanke gefiel ihm gut,
aber dann fehlte ihm der Mut.
Jahr um Jahr.
Es könnte ja ein Sturm kommen,
der die Blätter wieder vom Baum weht.
Meine Äste sind viel zu schwach,
um den Raben zu tragen.
Jahr um Jahr.
Er schwankte
zwischen Befürchtung und Hoffnung,
zwischen Hoffnung und Befürchtung,
Jahr um Jahr.
Der Rabe blieb, treu,
die Nahrung im Schnabel,
wartete und wartet
und schaut auf den Feigenbaum
Jahr um Jahr.
Rabe und Feigenbaum.
Das ungleiche Paar.
Baum und Vogel
sprechen nicht dieselbe Sprache.
Jahr um Jahr.
Irgendwann wird Sommer sein.
Für den Feigenbaum und den Raben.
Auch wenn es dauert,
Jahr
um
Jahr.
(Gedanken zum Evangelium vom 2. Advent, Lukas 21, 25-33)
Feigenbaum,
ein Dauerthema gerade,
wieso wohl?
Manchmal schießt dir etwas durch den Kopf.
Du weißt nicht wo es herkommt,
Vermutlich von einer tiefen Sehnsucht in dir,
die sich blitzartig entlädt.
Mir ist gerade ein solcher Gedankenblitz durch den Kopf geschossen, ein Liedtext von Daliah Lavi, Jahrzehnte alt.
Ein Fragen,
Gott fragen,
Gott im Nächsten fragen,
den fragen,
der einem am Nächsten ist:
Eine österliche Hoffnung.
Ein Gebet.
Oder einfach eine alte Schlagerillusion?
Willst du mit mir gehn
Willst Du mit mir gehn,
Wenn mein Weg ins Dunkel führt
Willst Du mit mir gehn,
Wenn mein Tag schon Nachtwind spürt
Wenn ich nicht mehr Vagabund sein will,
Baust du mein Haus
Und ruhst dur mit mir vom Leben aus
Willst Du mit mir gehn,
Licht und Schatten verstehn
Dich mit Windrosen drehen,
Willst Du mit mir gehn
Willst Du mit mir gehn
Man nennt es Liebe, man nennt es Glücklichsein,
Keine Sprache hat mehr als Worte
Willst Du mit mir gehn,
Willst Du mit mir gehn,
Wenn ich nicht mehr bin wie einst
Willst Du mit mir gehn,
Auch wenn Du um gestern weinst
Wenn jedes Schweigen uns verrät,
Was reden wir,
Tröstet mich auch dann ein Wort von Dir
Willst Du mit mir gehn
Man nennt es
Willst Du mit mir gehn
Willst Du mit mir gehn,
Wenn die Angst bei mir verweilt,
Willst Du mit mir gehn,
Wenn die Zeit mich nicht mehr heilt
Wenn der Ruf der Welt vor mir verstummt,
Fragst du nach mir
Wartest du auch dann vor mir.
Wo der erste Blick nichts sieht,
unscheinbarer Alltag uns besiegt,
der flücht‘ge Augenblick dem Durchschnittsgrau entflieht,
der zweite Blick dann unerwartet innehält,
uns die entfloh‘ne Gedankenwelt entfällt,
und unser Sein im Jetzt behält,
wir erstaunt den dritten Blick dann wagen,
und erst jetzt das Licht gewahren,
das wir im ersten Blick nicht sahen.
Lichtblicke
Es gibt Sonntage,
Sonnentage,
an denen strahlt alles.
Ohne zu wissen warum,
liegt ein Glanz über der Erde
und du weißt nicht,
woher er kommt.
Ob es daran liegt,
dass heute Palmsonntag ist?
Ein Hosianna liegt in der Luft
Und die Erde lacht,
als wolle sie sagen:
Alles ist bereitet für das große Fest.
Palmzweige
soweit das Auge reicht,
dein Zion bringt dir Palmen,
Morgenglanz der Ewigkeit.
Märzenbecher,
du bist mutig,
du Botenblume, die vom Frühling kündet.
Weder von Schnee noch Eis lässt du dich abhalten.
Du richtest dich nach der Sonne,
nicht nach dem Frost.
Und wenn er dich dann doch überrascht,
senkst du demütig deinen Kopf
und wartest auf besseres Wetter.
Märzenbecher,
ach könnt ich mit dir tauschen.
Wo immer wir sind,
wo immer wir treiben,
im Oben oder im Unten
oder im Niemandsland dazwischen,
eines weiß und erfahre ich:
Gott spielt immer mit und
Er spielt mir in die Hand.
Demut ist hinnehmen, wie es ist.
Egal wie es ist.
Ob es sich gut anfühlt oder schlecht.
Wie schwer es auch auszuhalten ist.
Global gesehen sind wir weniger
als eine Marginalie des Lebens.
Deshalb lassen wir den Wind ruhig kräftig wehen,
aber müssen wir uns über ihn beklagen?
Ist es nicht besser,
mit ihm zu gehen als
uns gegen ihn zu stemmen?
Mir hat der Wind
gute Gedanken aus dem Kloster ins Haus geweht.
Stillschweigende Gedanken,
heilende Gedanken,
segenspendende Gedanken.
Auf was will ich verzichten können?
Verzicht klärt und macht frei.
Er schickt uns einen neuen Blick
für die Versuchungen des Alltags.Das Wort „Versuchung“ verweist auf den „Versuch“.
Wenn wir etwas versuchen, sind wir „Suchende“.
Wir sind noch nicht am Ziel,
haben keine fertige Antwort.
Das griechische Wort dafür bedeutet „Erprobung“.
Versuchung hat also viel mit Lernen zu tun.
Die Versuchung gehört zur Glaubens- und Lebensschule.Auch wir sind Versuchungen aller Art ausgesetzt:
Der Versuchung der Einsamkeit,
des vertrockneten Herzens,
der wüsten Hetze nach Erfolg und Einfluss.
Da ist es kein Wunder,
wenn der Glaube an den Sinn des Lebens verdunstet.Es mag anstößig klingen, wenn wir sagen,
Gott stecke hinter der Versuchung.
Aber Jesus sagt doch im Vaterunser:
„.. und führe uns nicht in Versuchung.“Wesentlich ist die Botschaft:
Auch in der Versuchung ist Gott da.
Auch in der Versuchung liebt er dich.
Gerade in der Versuchung will er dich tauglich machen
fürs wirkliche Leben.
Danke Jonathan!
Gott gebe, dass wir bestehen
Gott gebe uns die notwendige Demut,
Gott gebe uns Geduld,
Gott gebe, dass wir nichts erzwingen wollen,
Gott gebe, dass wir die Versuchungen des Lebens aushalten.
Amen.
Menschenkind, die Kinder unter denen du bist,
haben harte Köpfe und verstockte Herzen.
Sie gehorchen oder lassens.
Menschenkind, du sollst dich vor ihren Worten nicht fürchten.
Es sind wohl widerspenstige und stachlige Dornen bei dir,
du wohnst unter Skorpionen
Menschenkind, du sollst ihnen von mir erzählen.
Sie gehorchen oder lassens.
Sie sind ein ungehorsames Volk.
Menschenkind, höre was ich zu dir sage,
sei nicht ungehorsam.
Tue deinen Mund auf,
sage ihnen, was ich dir sage.
Menschenkind, was du ihnen zu sagen hast,
ist Weh und Ach, Schmerz und Elend,
fürchte dich nicht vor ihren Worten.
Ich habe allen Mut zusammengenommen
Aber begreifen müssen, was es heißt,
unter Skorpionen zu wohnen
und durch Dornen zu gehen.
Oder war ich unter Krebsen, Löwen oder sonstigen reißenden Tieren?
Was ich gelernt habe?
Sie verbergen sich in ihrer Höhle,
unerwartet kommen sie herausgeschossen
und verbeißen sich in dir.
Wo, lieber Gott, ist das Verbandszeug?
Ach ja, und noch etwas habe ich gelernt:
Hüte dich vor Blendern,
sie haben dein Wort im Mund,
aber es ist nichts als Zungenrede,
deshalb sind sie nicht bei deinem Wort zu nehmen.
Wehe dem, der es versucht.
Wie war das doch, lieber Gott:
Du Menschenkind sollst dich nicht vor ihnen fürchten?
(Nach Hesekiel, Hes 2,4ff)
Worte, in Ärger, Hass, Unachtsamkeit gesprochen,
haben in der Welt schon viel zerbrochen.
Manche prallen an dir ab,
manche schickten dich ins Grab, bevor es dich so richtig gab.
Der Ton, in dem abweisende Worte klingen.
bringt dich ins Beben und ins Schlingern.
Du kennst ihren Klang,
seitdem dich jemand ins Leben zwang.
Sie haben dich schon früh verstört,
als noch keiner dachte, dass du hörst.
Worte, die bewusst oder nicht,
du dein ganzes Leben nicht vergisst.
Gelangen sie dann unerwartet an dein Ohr,
finden sie in dir ein ungeschütztes Einfallstor.
Wenn sie dich dann so erreichen,
kannst du ihnen nicht entweichen.
Sie lassen deine Welt schmerzvoll erschallen,
Und alle Krücken auseinander fallen.
Worte, in Ärger, Hass, Unachtsamkeit gesprochen,
haben in der Welt schon viel zerbrochen.
Mann sagt,
Maria und Martha gehen nicht zusammen,
Frau überfordert sich.
Mann sagt,
Verwunderlich,
dass gerade Frauen beides wollen.
Frau sagt,
Mann, du hast nichts begriffen.
Es geht um die Seele, um das Innenleben,
nicht um das äußerliche Sein.
Martha steht für die Bereitschaft der Seele zu dienen,
Maria steht für „meine Seele erhebe sich zum Herrn“.
Maria und Martha stehen für die Ganzheit der Seele.
Mann, das lässt Frau sich nicht von dir absprechen.
Mann, egal ob Mann oder Frau,
Dienen und Loben,
das ist Ursprung und Ziel der Seele im Menschen.
Fliege oder falle ich?
Lahmer oder sich aufschwingender Flügel?
Es ist immer eine Frage der Perspektive
und der gegenwärtigen Befindlichkeit.
Klare Sicht und dichte Wolken wechseln sich ab,
Höhenflüge und Luftlöcher,
Gute Aussicht und Flugangst.
Ich fliege nur mit,
muss es nehmen wie es kommt.
Auf Kurs und Flughöhe habe ich keinen Einfluss.
Im Cockpit sitzt ein anderer.
Resignation für Anfänger
Suche du nichts. Es gibt nichts zu finden,
Nichts zu ergründen. Finde dich ab.
Kommt ihre Zeit, dann blühen die Linden
Über dem frischgeschaufelten Grab.
Kommt seine Zeit, dann schwindet das Dunkel,
Funkelt das wiedergeborene Licht.
Nichts ist zu Ende. Alles geht weiter.
Und du wirst heiter. Oder auch nicht.
Zwischen Vergehen und Wiederbeginnen
Liegt das Unmögliche. Und es geschieht.
Wie und Warum waren nie zu ersinnen.
Neu klingt dem Neuen das uralte Lied.
Geh nicht zu Grunde, den Sinn zu ergründen.
Suche du nicht. Dann magst du ihn finden.
(in: Mascha Kaléko: Mein Lied geht weiter. Hundert Gedichte)