Nest

Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.
Jeremia 8,7

Bei Gott ist unser natürlicher Ort,
an den wir hingehören.
Machen wir es den Schwalben nach
und finden unser Nest.

 

 

Die Ägyptische Maria

Rainer Maria Rilke

Seit sie damals, bettheiß, als die Hure
übern Jordan floh und, wie ein Grab
gebend, stark und unvermischt das pure
Herz der Ewigkeit zu trinken gab,

wuchs ihr frühes Hingegebensein
unaufhaltsam an zu solcher Größe,
daß sie endlich, wie die ewige Blöße
Aller, aus vergilbtem Elfenbein

dalag in der dürren Haare Schelfe.
Und ein Löwe kreiste; und ein Alter
rief ihn winkend an, daß er ihm helfe:

(und so gruben sie zu zwein.)

Und der Alte neigte sie hinein.
Und der Löwe, wie ein Wappenhalter,
saß dabei und hielt den Stein.

Weihnachtsgeschichte!

In: Rainer Maria Rilke: Gesammelte Werke, Köln 2013, S.510

Hochmut

Ich streckte meine Hände aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach seinen eigenen Gedanken wandelt auf einem Wege, der nicht gut ist. 
Jesaja 65,2

Hochmut oder –
in unseren Ohren positiver klingend –
gutes Selbstbewusstsein,
ist eine unserer Stärken,
aber auch eine Schwäche.

Der hochmütige Geist,
hört allein seine Stimme,
übertönt die Stimme der Wahrheit,
verpasst den Absprung.

Haustür

Unterdrückt nicht die Fremden, die bei euch im Land leben.
3.Mose 19,33

In der Elberfelder heißt es:

Und wenn ein Fremdling bei dir weilt in eurem Lande, so sollt ihr ihn nicht bedrücken. 

Ein Fremder ist jeder,
der nicht im Hause Gottes wohnt.

Bedrückt sie nicht.
Bedrängt sie nicht.
Bekehrt sie nicht.

Jeder muss selbst die Haustür finden.

Weihnachtsmahl

Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen.
Jesaja 58,10

Aktiv und passiv wieder mal vertauscht. Ich bevorzuge die Elberfelder Übersetzung:

Wenn du deine Speise dem Hungrigen darreichst und die niedergedrückte Seele sättigst: so wird dein Licht aufgehen in der Finsternis, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. 

Satt wird man nicht von Christstollen und Weihnachtsgans,
satt wird man nicht, wenn man zu Weihnachten ausnahmsweise in die Kirche geht,
satt wird man nicht vom Heiligen-Schein unterm Weihnachtsbaum.

Gesättigt wird man, wenn man Gott sucht,
Gesättigt wird man, wenn man auf seine Stimme hört,
Gesättigt wird man, wenn man weiterträgt, was man verstanden hat.

Wenn man seinen Quell aus Gott speist,
gewinnt man die Kraft, andere zu speisen.
Dieses Weihnachtsmahl macht satt.

Alltagsmantel

Lobet Gott für seine Taten, lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!
Psalm 150,2

Gottes große Taten sind unspektakulär
in den Mantel eines wohlgelungenen Alltags gekleidet.

Jeden Morgen Anlass zu bitten,
jeden Abend Anlass zu danken,
jederzeit Anlass zu staunen.

Umkehr

Kehrt um zum HERRN, von welchem ihr so sehr abgewichen seid!
Jesaja 31,6

„Kehrt um“ heißt,
kehrt euer Inneres um,
gebt ihm eine neue Richtung,
richtet euch aus auf den,
der euch heilt.

Folgen

Wenn du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen wirst: Gesegnet wirst du sein bei deinem Eingang und gesegnet bei deinem Ausgang.
5.Mose 28,1.6

Um Gott zu hören,
muss man das innere Ohr öffnen,
das Gehorchen ist dann die Folge.

Wimpernschlag

Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer.
Habakuk 2,3

Jeder wird Gott schauen,
zu seiner Zeit,
in Kategorien der Ewigkeit
ist es nur ein Wimpernschlag
bis dorthin.

Atem

Ich will meinen Odem in euch geben, dass ihr wieder leben sollt, und will euch in euer Land setzen, und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin.
Hesekiel 37,14

Ich will meinen Atem in euch geben,
damit in allem, was ihr tut,
ich aus euch atme.

Danken

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.
Psalm 106,1

Danket, danket dem Herrn…
oft besungen,
wenig beachtet außerhalb
der frommen Übungen.

Gott danken heißt,
dankend jeden Tag
meinen Alltag
in seine Hand geben.

Jeden Tag ohne Zweifel
mein Vertrauen
in seine Hand legen zu können,
darin besteht seine Güte.

Einsicht

Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.
1.Samuel 16,7

Der Mensch sieht, was er sieht.
Mancher sieht viel,
mancher hat eine Ahnung,
mancher sieht nichts.

Vor Gott macht das keinen Unterschied,
wir sehen,
was er uns sehen lässt.

Gott sieht in unser Herz,
sieht unser Wesen,
unabhängig davon,
was wir sehen.

Engel

Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.
Psalm 34,8

Der Engel des HERRN,
er kann ganz schön zerren,
letzten Endes
geht es,
wie Bileam und seinem Esel.

Esel hat Instinkt,
der menschliche Instinkt,
für die göttliche Gegenwart,
ist größtenteils verschüttet,
verführt von der vermeintlich
guten Gelegenheit.

Dein Wort

Meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, sollen von deinem Mund nicht weichen noch von dem Mund deiner Kinder und Kindeskinder.
Jesaja 59,21

Dein Wort in meinem Mund,
dein Wort aus meinem Mund,
dein Wort an mich.

Etwas besseres kann mir nicht passieren.

Entscheidung

Der Mensch wirft das Los; aber es fällt, wie der HERR will.
Sprüche 16,33

Oder nach Elberfelder, den Blick von der Äußerlichkeit in das Innere wendend:

Das Los wird in dem Busen geworfen, aber all seine Entscheidung kommt von Jahwe.

Bei allem Abwägen und
Denken in Alternative und Szenarien,
bei allem Gedankenschmalz,
das wir investieren:
Die beste Entscheidung ist,
sich in allem, was man tut,
auf Gott zu verlassen.

Blicke

Auf dich, HERR, sehen meine Augen; ich traue auf dich, gib mich nicht in den Tod dahin.
Psalm 141,8

Wohin richtest du den Blick,
wenn du die Augen
nach Gott verdrehst?

Was ändert das an deinem Blickwinkel?

Durchblick?

Hinter den Himmeln

Du hast vorzeiten die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk.
Psalm 102,26

Die Himmel werden vergehen.
Gott ist hinter den Himmeln.
Wenn wir die Himmel auf Erden suchen,
suchen wir Vergängliches,
nicht aber Gott, der ewig ist.

Erkenntnis

Das Land wird voll Erkenntnis des HERRN sein, wie Wasser das Meer bedeckt.
Jesaja 11,9

Alle Dummheit wird versiegt sein,
alles Morden ertrunken,
kein Wassergott überleben.

Wir werden baden in der Erkenntnis,
uns suhlen im Frieden,
uns umfangen lassen von Liebeswogen.

Wer will,
kann sich vom Wasser des Lebens
schon jetzt taufen lassen.