Achterbahn der Emotionen

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.
Psalm 116,7

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, den der HERR tut dir Gutes.
Die Betonung liegt auf dem „Wieder“.
Der Mensch in seinem unbeständigen Auf und Ab
ist ein Gefangener seiner Emotionen,
die mit uns Achterbahn fahren,
in schneller Bewegung,
wir immer Halt suchend.

Seelengesang

Meine Kraft und meine Stärke ist der HERR, und er wurde mir zur Rettung.
Psalm 118,14

In der Elberfelder Übersetzung heißt es: Meine Stärke und mein Gesang ist Jah. Das ist mir gerade näher.

Meine Stärke und mein Gesang, bist du, o Gott,
meine Seele singt dein Lied,
am Morgen,
am Abend,
in der Nacht.
Untertags bin ich abgelenkt.
Da übertönt der Alltag deinen Gesang.

Das Lied, das meine Seele gerade singt:

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude;
A und O, Anfang und Ende steht da.
Gottheit und Menschheit vereinen sich beide,
Schöpfer, wie bist du uns Menschen so nah.
Himmel und Erde erzählet’s den Heiden:
Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude.

Jesus ist kommen, nun springen die Bande,
Stricke des Todes, die reißen entzwei.
Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden;
er, der Sohn Gottes, der machet reicht frei,
bringet zu Ehren aus Sünde und Schande;
Jesus ist kommen, nun springen die Bande.

(Johann Ludwig Konrad Allendorf 1736

Engel der Finsternis, Engel des Lichts

Wenn der Engel der Finsternis erscheint,
wird es dunkel in mir,
weint mein inneres Kind.
Tränen des Schmerzes,
Tränen der Verletzung,
Tränen der Angst.

Wenn der Engel des Lichts erscheint,
wird es hell in mir,
lacht mein inneres Kind,
erhebt sich meine Seele,
freut sich an dir und
sieht das Leben mit einem zärtlichen Blick.

Der Engel der Finsternis
und der Engel des Lichts sind da,
wie die Nacht und der Tag,
der Westen und der Osten,
die Finsternis und die Sonne,
wie Gottes Stirnrunzeln und Gottes Licht.

Sie sind wie Geschwister.
Und fliehen verzagt und
hüpfen freudig
ihrem Vater und
Ihrer Mutter
In die Arme.

Licht durchbricht die Finsternis

Licht

Mann sagt…

Mann sagt,
Maria und Martha gehen nicht zusammen,
Frau überfordert sich.
Mann sagt,
Verwunderlich,
dass gerade Frauen beides wollen.

Frau sagt,
Mann, du hast nichts begriffen.
Es geht um die Seele, um das Innenleben,
nicht um das äußerliche Sein.

Martha steht für die Bereitschaft der Seele zu dienen,
Maria steht für „meine Seele erhebe sich zum Herrn“.
Maria und Martha stehen für die Ganzheit der Seele.

Mann, das lässt Frau sich nicht von dir absprechen.
Mann, egal ob Mann oder Frau,
Dienen und Loben,
das ist Ursprung und Ziel der Seele im Menschen.

Mondnacht

Es war, als hätt´ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blüten-Schimmer
Von ihm nun träumen müßt‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus.
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff

Alles hat seine Zeit. Diese Zeit ist nicht an unsere Tageszeiten gebunden.

Gemütssache

Das wirkliche Haben Gottes liegt nicht im möglichst häufigen an Gott Denken,
sondern in einem inwendigen Streben zu Gott hin.

„Denn je entblößter und lediger das Gemüt Gott zuneigt
und von ihm dann gehalten wird,
desto tiefer wird der Mensch in Gott hineingepflanzt,
umso empfänglicher wird er für die wertvollen Gaben Gottes.

Denn allein auf Gott soll der Mensch bauen.“

(Meister Eckhart, Vom Adel der menschlichen Seele)

Nebel fragen

Ihr Nebel, was bringt ihr?
Kündet ihr vom Frühling
oder vom Herbst meiner Tage?
Nahezu undurchdringlich steht ihr vor mir
und doch seltsam leicht, nicht zu fassen.
Ein Versuch, mir den klaren Blick, zu nehmen oder
mich gnädig vor dem klaren Blick zu bewahren,
was auf das Gleiche hinauslaufen kann?
Meine Seele eingehüllt in tränennasses Grau,
die Außenwelt ein Spiegelbild meiner Innenwelt?
Oder alles nur Gaukelei,
meine Sinne vernebelt?

 

Wortsalven

Worte können wie Gewehrsalven sein.
Wie Volltreffer schlagen sie ein und zerfetzen dich.
Manchmal reicht auch schon der Tonfall
oder eine Geste.

Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele.

Aber, er hat schon Elia nicht erhört,
was wird er mich erhören?

Verbinde deine Wunden, steh auf und iss,
du hast noch einen weiten Weg vor dir.

Überraschungsgast

Tag für Tag
trägst du deinen Unfrieden vor Gott.
Tag für Tag
bittest du für Ruhe in dir.
Tag für Tag
hoffst du, er möge es gewähren.

Du wartest,
und wartest
und wartest.
Ungeduldig
diskutierst du,
haderst,
deine Seele schreit.

Plötzlich ist er da,
der Überraschungsgast,
der weihnachtliche Friede.
Ganz unvermittelt.
Ganz unerwartet.
Wie aus dem Nichts.
Still,
bescheiden,
unspektakulär.

Gebranntes Kind,
traut dem Frieden nicht.
Selbst wenn ein Nach-Weihnachten kommt,
bleibt die Erinnerung, die dich wärmt,
bleibt die Hoffnung, die dich hält,
bleibt die Wurzel, die
die Rose nährt,
die dein Überraschungsgast
beim nächsten Besuch
dir verehrt.

Duftrose

DU und ich

Bist DU ein DU und ich ein ich?
Sind wir zwei oder sind wir eins?

Wenn DU mich ansiehst,
sieht mein inneres Auge DICH.

Wenn DU zu mir sprichst,
hört mein inneres Ohr DICH.

Wenn DU bewirkst,
erfahre ich.

DU bist ein Mantel, der mich hüllt,
DU bist der Blitz, der mich erhellt,
DEIN Reich, das man nicht sieht,
Weil es in meiner Seele lebt.

Seelenfeuer