Riskier was

Menschenkind, die Kinder unter denen du bist,
haben harte Köpfe und verstockte Herzen.
Sie gehorchen oder lassens.

Menschenkind, du sollst dich vor ihren Worten nicht fürchten.
Es sind wohl widerspenstige und stachlige Dornen bei dir,
du wohnst unter Skorpionen

Menschenkind, du sollst ihnen von mir erzählen.
Sie gehorchen oder lassens.
Sie sind ein ungehorsames Volk.

Menschenkind, höre was ich zu dir sage,
sei nicht ungehorsam.
Tue deinen Mund auf,
sage ihnen, was ich dir sage.

Menschenkind, was du ihnen zu sagen hast,
ist Weh und Ach, Schmerz und Elend,
fürchte dich nicht vor ihren Worten.

Ich habe allen Mut zusammengenommen
Aber begreifen müssen, was es heißt,
unter Skorpionen zu wohnen
und durch Dornen zu gehen.

Oder war ich unter Krebsen, Löwen oder sonstigen reißenden Tieren?
Was ich gelernt habe?
Sie verbergen sich in ihrer Höhle,
unerwartet kommen sie herausgeschossen
und verbeißen sich in dir.

Wo, lieber Gott, ist das Verbandszeug?

Ach ja, und noch etwas habe ich gelernt:
Hüte dich vor Blendern,
sie haben dein Wort im Mund,
aber es ist nichts als Zungenrede,
deshalb sind sie nicht bei deinem Wort zu nehmen.
Wehe dem, der es versucht.

Wie war das doch, lieber Gott:
Du Menschenkind sollst dich nicht vor ihnen fürchten?

(Nach Hesekiel, Hes 2,4ff)

Wilde Tiere

Wortwunden

Worte, in Ärger, Hass, Unachtsamkeit gesprochen,
haben in der Welt schon viel zerbrochen.

Manche prallen an dir ab,
manche schickten dich ins Grab, bevor es dich so richtig gab.

Der Ton, in dem abweisende Worte klingen.
bringt dich ins Beben und ins Schlingern.

Du kennst ihren Klang,
seitdem dich jemand ins Leben zwang.

Sie haben dich schon früh verstört,
als noch keiner dachte, dass du hörst.

Worte, die bewusst oder nicht,
du dein ganzes Leben nicht vergisst.

Gelangen sie dann unerwartet an dein Ohr,
finden sie in dir ein ungeschütztes Einfallstor.

Wenn sie dich dann so erreichen,
kannst du ihnen nicht entweichen.

Sie lassen deine Welt schmerzvoll erschallen,
Und alle Krücken auseinander fallen.

Worte, in Ärger, Hass, Unachtsamkeit gesprochen,
haben in der Welt schon viel zerbrochen.

Schneewähen

Das Leben ist
wie ein unwirtlicher Weg durch Eis und Schnee.
Scharfer Wind schneidet dir ins Gesicht.
Schneewähen versperren den Weg.
Ob du willst oder nicht,
du musst hindurch,
wie weit du auch versinkst,
wie viel Kraft es auch kostet,
wie erschöpft du auch bist.
Wenn du es geschafft hast,
ist das Glatteis dahinter eher schon Erholung.
Die Spuren, die du hinterlässt,
sind ein paar Atemzüge später
zugeweht.

Abendlied

Heute ist mir ein Kirchenlied begegnet, das ich mein ganzes Leben lang kenne. Es ist in meiner Erinnerung das erste Lied, das ich gelernt habe. Mein Großvater hat es abends immer mit mir gesungen.

Der 1.Vers geht so:

Jesu geh voran,
auf der Lebensbahn,
wollen wir auch noch verweilen,
dir getreulich nachzueilen,
führ uns an der Hand,
bis ins Vaterland.

Jahrzehnte später fallen mir folgende weitere Verse dazu ein:

Wollen wir nicht weiter gehen,
weil wir deinen Weg nicht sehen,
wenn es uns an Mut gebricht,
leuchte du mit deinem Licht,
so dass wir in deinem Schein,
uns von aller Angst befrein.

Wollen wir in schweren Tagen
Unser Kreuz nur ungern tragen,
weise uns den Weg,
auf dem es heimwärts geht.
Kommen wir im Bußgewand
reichst du gnädig uns die Hand.

Guter Gott ich bitte dich,
lass mich heute nicht im Stich,
Sei bei mir mit deinem Segen,
begleite mich auf meinen Wegen.
Schenke mir genug Verstand,
dass ich nicht im Glauben wank.

Fliehendes Land

Ich weiß genau,
wo meine Heimat ist,
ich weiß genau,
wo ich hingehöre.
Noch ist es ein fliehendes Land.

Du weißt genau,
wo deine Heimat ist,
du weißt genau,
wo du hingehörst.
Noch ist es ein fremdes Land.

Wir wissen genau,
wo unsere Heimat ist,
wir wissen genau,
wo wir hingehören.
Noch ist es kein gemeinsames Land.

Dieses Jahr haben wir es nicht erreicht.
Leer und verlassen liegt es da, unbefreit.
Es war nicht zu finden, in der Dunkelheit.

Vielleicht kommt nächstes Jahr ja die richtige Zeit.
Vielleicht sind wir nächstes Jahr ja endlich bereit.
Vielleicht verschieben wir nächstes Jahr aber auch – in die Ewigkeit.

Fernes Land

Zwischen den Jahren

Zwischen den Jahren,
Zeit innezuhalten.
Zwischen Vergangenheit
und Zukunft
Im Jetzt.

Und doch,
im Jetzt fühle ich in mir
eine Sehnsucht,
die das Morgen sucht.

Psalm 119.
Meine Augen sehnen sich
nach deinem Wort und sagen:
Wann tröstet du mich?

Zwischenstation

Psalm 23

Mein weiser Bruder hat mich heute an die innere Weisheit von Psalm 23 erinnert.

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und
führt mich zum frischen Wasser.

Er erquickt meine Seele,
er führt mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkst mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen
mein Leben lang und
ich werde bleiben
im Hause des Herrn
immerdar.

So bekräftigt werde ich mich auf den Weg machen, dem Sonntagsläuten entgegen, mit Anlauf und hoffentlich ohne Schlaglöcher.

Schlaglöcher

Das verschwundene Christkind

Als ich heute Nachmittag das Christkind besuchen wollte, war es aus seiner Krippe verschwunden. Wo mag es wohl hin sein? Hat es ihm in seiner Krippe so alleine in der leeren Kirche nicht mehr gefallen?

Kein Mensch kümmerte sich mehr um es. Alle haben vermeintlich etwas besseres zu tun, gehen schon wieder shoppen. Oder fahren in Urlaub. Weihnachten ist abgehakt. Jetzt kann Konsum, Wellness und Freizeitvergnügen wieder in den Vordergrund rücken. Mit Silvester wartet schon das nächste Event. So mancher wird aufatmen. Gottseidank haben wir dieses Weihnachtsgedusel für dieses Jahr hinter uns gebracht.

Das Christkind hat das vorausgesehen. Es kennt das. Seit vielen Jahrhunderten ist das so. Deshalb hat es schon an Weihnachten beschlossen, dass es keinesfalls so einsam und allein in seiner Krippe in der kalten Kirche zurückbleibt. Wohin ist es verschwunden?

Wenn ihr nicht zu mir kommt, dachte das Christkind ganz pfiffig, dann komme ich eben zu euch. Es hat sich heimlich, still und leise an Weihnachten in die Herzen der Menschen geschlichen, die es an Heilig Abend mit glänzenden Augen angesehen haben. In die Herzen der Menschen, die sich an ihm gewärmt haben. Als Dank wärmt es nun diese Menschen von innen heraus, unabhängig von Weihnachten.

Eigentlich bin ich damit ganz zufrieden, denkt das Christkind bei sich, in den Herzen der Menschen ist es schöner als alleine in der leeren ungeheizten Kirche. Es strahlt vor Freude über seinen Einfall. Die Menschen, in denen das Christkind strahlt, spüren das. In ihren Augen spiegelt sich das Strahlen des Christkinds und – wenn sie einem anderen Menschen in die Augen sehen – geben sie dieses Strahlen weiter.

Man kann sich das so vorstellen, wie wenn bei der Christmette das Weihnachtslicht weitergereicht wird, von Mensch zu Mensch und manchmal auch von Herz zu Herz.

Kettenlicht

Joseph

Joseph, der Stille, der im Hintergrund lebt,
Joseph, der nicht auf die anderen hört.
Joseph, der sich der Aufgabe stellt,
Joseph, der sich verlässlich verhält.
Joseph, der handelt und nicht wankt,
Joseph, der tut, was Gott verlangt.
Joseph, der voll Demut gehorcht,
Joseph, der Frau und Kind umsorgt.
Joseph, der tut, was der Engel befiehlt.
Joseph, der mit seiner Familie flieht,
Joseph, der Gott allein vertraut.
Joseph, der fest auf den Glauben baut.

Joseph, du zeitloser Held,
vor dir verneige sich die Welt.
Joseph, dein selbstloses Handeln,
sei Beispiel auch in heutigem Wandel.
Joseph, deine Demut ohne Klagen
gebe mir Mut und lass mich es wagen.

Herzenslicht

Weihnachten – Fest der Liebe

Weihnachten ist,
wenn du einen steilen Berg erklimmst,
mit großen Mühen,
immer in Gefahr aufzugeben,
immer in Gefahr abzustürzen,
unter Tränen weiter gehst,
bedrängt von Blitz, Donner und Hagelschlag,
schließlich
durchnässt, frierend und entkräftet
den Gipfel erreichst,
für einen kurzen Augenblick
die Wolken aufreißen und
du einen zärtlichen Blick werfen darfst
in das verheißene Land deiner Sehnsucht,

Dann hält –
einen Wimpernschlag lang –
die Welt
den Atem an und
du bist nichts
als Liebe.

Verheißenes Land

Heiliger Abend

Heiliger Abend
Glockenklang
Weihnachtsglanz

Funkelnder Lichterbaum
Glänzende Kindergesichter
Welt im Weihnachtsrausch

Volle Kirchen
Voller Menschen
Weihnachtsfolklore

Verdeckt von Geschenkpapierbergen und
fast vergessen in all der Pracht,
der Ursprung der Heiligen Nacht.

Heiliger Abend

Vierter Advent

Unruhig gehe ich in den vierten Advent,
Wieso bin ich so bewegt?

Unruhig lausche ich in den vierten Advent.
Was bringt die Saiten in mir so ins Schwingen?

Unruhig wandere ich durch den vierten Advent.
Eiskalter Dezemberregen durchnässt mich, ohne mich zu kühlen.

Unruhig gehe ich aus dem vierten Advent.
Wehend hinein in die Heilige Nacht.

Heilige Nacht

Arm und reich

Durch alle Dunkelheit hindurch,
sehe ich Dein Licht,
durch alle Angst,
alles Leid,
alles Nichtverstehen hindurch,
leitet mich Deine Hand.

Dein Licht leuchtet,
auch wenn ich es nicht sehe,
Deine Kraft waltet,
auch wenn sie verborgen ist,
Du sprichst mit mir,
auch wenn meine Ohren es nicht hören.

Du wirkst so wunderbar,
dass ich als Mensch es nicht begreifen kann.
Mein Verstand vermag Dich nicht zu fassen,
mein Tun ist mehr ein Unterlassen,

Arm und doch so reich steh ich vor DIR.

Blöße

Künstliches Licht

Ein Licht kommt in die Welt,
Ein Licht ist in der Welt.
Verdeckt vom Kunstlicht unserer Lichterwelt.
Wo ist der Schalter,
um den Strom abzustellen?

Verdecktes Licht

Verdecktes LIcht

Nicht gelebt

Der Advent verrinnt mir unter den Fingern.
Obwohl ich mich nicht auf dem Advents-Rummelplatz aufhalte.
Obwohl ich nicht in Weihnachtshektik bin.
Obwohl ich mir Zeit nehme und Stille gönne.

Der Advent verrinnt in meinem Inneren.
Ich warte auf etwas, ohne zu wissen auf was.
Es ist mir, als müsste ich noch etwas tun, ohne zu wissen warum,
Es drängt mich, mich vorzubereiten, ohne zu wissen wie.

Der Advent verrinnt wie mein Leben.
Ich fühle mich, als ob er gerade anfängt.
Stelle aber fest, dass er bald vorbei ist.
Wie nicht gelebt.

Warten im Advent

Mitten in der Nacht

Mitten in der Nacht
bin ich plötzlich aufgewacht,
geweckt von einem Geistesblitz.

Wer freut sich nicht über ein Adventslicht?

Der, dem es an einem aufrichtigen Herzen gebricht.

Adventsblitz

Im aufgewühlten Meer

„Fast zwanzig Jahre trieb ich wie auf einem aufgewühlten Meer. Fallen, kurz aufstehen, und wieder hinfallen. Das war sehr anstrengend, denn ich fand mein Glück weder bei Gott noch in der Welt. Ich weiß nicht, wie ich das so viele Jahre aushalten konnte“
(Teresa de Jesus, Vida 8,2)

Teresa, meine Schwester.

Aufgewühltes Meer

Welt in Auflösung

Unterwegs. Ich sitze im Zug. Alles pünktlich. Alles so, als ob es so sein soll.

Wohin? Den Ort kenne ich, das Ziel nicht. Vielleicht auf der Suche nach einem neuen Zufluchtssort, nachdem ich heimatlos geworden bin? Im nicht mehr Wollen das Nichtwollen entdecken?

Als ob das Jahr schon Bilanz ziehen wollte. Es hatte sich angekündigt, wie es geworden ist. Heimat in Schall und Rauch. Die Erschütterungen sitzen mir in den Knochen.

Die schneebedeckte Landschaft zieht an mir vorbei, ohne dass mir das Herz aufgehen mag. Irgendwie funktioniere ich, sonst würde ich jetzt nicht im Zug sitzen.

Auf was das hinsteuert?

Sich auflösende Welten

Welt in Auflösung

Warten auf Irgendwann

Warten auf Vertrauen.
Warten auf Trauen.
Warten auf Dich.

Irgendwann blüht der Barbarazweig.
Irgendwann gewinnt das Leben.
Irgendwann ist Weihnachten.

Darauf hoffe ich.
Darauf baue ich.
Darauf vertraue ich.

Barbarazweig

Vor Jahr und Tag

Vor Jahr und Tag
hast du mich verraten,
mir das Herz versenkt.

Und heute,
nach sieben Jahren,
am ersten Advent,
sieht
mein Herz
dich zu ersten Mal wieder –
unverrenkt.

Dezemberblüten