Vergebung

Josefs Brüder baten ihn: Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters!
1.Mose 50,17

Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Das ist schnell heruntergebetet,
weniger leicht getan.

Vergib uns, o Gott, unsere Schuld!

Erntezeit

Das Jahr erntet.
Die Felder sind schon abgedroschen.
Man findet kaum noch Korn am Halm.

In meinem Blog war noch Frühling.
In meinem Empfinden auch.

Später hell, früher dunkel,
gemerkt habe ich es schon,
aber zur Kenntnis nehmen wollte ich es nicht.

Das Jahr erntet.
Habe ich überhaupt schon gesät?

Egal wie:

Sieh die Vögel unter dem Himmel.
Sie säen nicht,
sie ernten nicht,
sie sammeln nicht in die Scheunen und
euer himmlischer Vater nährt sie doch.

Bist du,
bin ich
nicht mehr als sie?

(nach Mt 6, 26)

Nahrungssuche-1

Gott im Alltag

Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.
Psalm 118,18

Mensch ist ein harter Brocken, auch für Gott.
Die Liste unserer Verfehlungen ist jeden Tag lang.
Belehren lassen wir uns nicht gerne.
Die Bibel lesen nur wenige.

Was gibt Zeugnis von ihm?
Wie soll sich Gott bezeugen?
Wer ist sein Zeuge?

Wer in den Tag hineinhört,
sich wundert über die alltäglichen Wunder,
in der Not Gottes ausgestreckte Hand ergreift,
mit ihm im Alltag lebt,
erkennt die roten Ampeln, die man überfährt.
Unzufriedenheit mit der eigenen Unzulänglichkeit,
Leiden an uns selbst.
Trost vom Tröster,
der uns nicht verzagen lässt.
Gott im Alltag.

Strahlen

Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
Psalm 118,24

Jeder Tag, an dem Gott sich erfahren lässt, strahlt,
wie irden die Wolken auch sein mögen, die ihn verdunkeln

Lebendiges Wort

Lieber Herr Jesu,

Was willst du von mir?
Was sagst du mir?
Wie soll ich dich verstehen?

Dein Wort in mein Auge.
Dein Wort in mein Ohr.
Dein Wort in mein Herz.

Dein Wort sagst du mir.
Dein Wort zeigst du mir.
Dein Wort erklärst du mir.

Dein Wort ist der Weg.
Dein Wort ist der Maßstab.
Dein Wort ist die Wahrheit.

Dein Wort will ich halten.
Dein Wort will ich verkünden.
Dein Wort will ich preisen.

Dein Wort schützt mich,
Dein Wort leitet mich.
Dein Wort klärt mich.

Preis,
Lob und Dank
für dein Wort.

(nach Psalm 119)

Wortgesang

Lebensmelodie der Bärenraupe

Eine Ostergeschichte

Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. Zwanzig Autos in einer Minute.
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.
Die Bärenraupe weiß nichts von Autos. Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist.
Weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds.
Die Bärenraupe weiß nur, dass jenseits Grün wächst. Herrliches Grün, vermutlich fressbar.
Sie hat Lust auf Grün. Man müsste hinüber.
Keine Chance. Sechs Meter Asphalt.
Sie geht los. Geht los auf Stummelfüßen.
Zwanzig Autos in der Minute.
Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik.
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.
Geht los und geht und geht und geht und kommt an.

Die Bärenraupe weiß nichts von Autos, Lastwagen und Pferdefuhrwerken, die einen überfahren könnten.

Sie ist mutig ohne zu wissen, dass sie mutig ist.

Bärenraupe in Menschfell hat einen Kopf zum Denken. Der sagt, ich hab Angst.
Bärenraupe in Menschenfell hält nach einem Ausschau, der mit ihr geht.
Bärenraupe in Menschenfell sieht sechs Meter entfernt eine andere Bärenraupe.
Bärenraupe in Menschenfell denkt, das ist gut, da lauf ich hin.
Bärenraupe in Menschenfell auf der anderen Straßenseite denkt das Gleiche.

Beide Bärenraupen in Menschfell laufen los.
Es kommt ein Pferdefuhrwerk.
Bärenraupe in Menschfell weicht aus.

Zwei Bärenraupen in Menschenfell laufen aufeinander zu und verfehlen einander.

Bärenraupe in Menschenfell steht auf der einen Straßenseite.
Bärenraupe in Menschenfell steht auf der anderen Straßenseite.
Beide Bärenraupen in Menschenfell weinen.

Sehnsüchtig geht der Blick über die Straße ins Grün auf der anderen Straßenseite.

Bärenraupe denkt: Bärenraupen in Menschenfell haben es gut, die können reden.
Bärenraupe weiß nichts von Bärenraupen in Menschenfell.

Bärenraupe in Menschenfell gibt nicht auf.
Bärenraupe in Menschenfell denkt:
Hoffentlich kommt dieses Mal kein Lastwagen

und

läuft voller Hoffnung wieder los.

PS 10. April 2014: Die Bärenraupe hat sich umsonst abgemüht. Es kam ein Panzer. Er hat sie unerbittlich platt gemacht. Es gab für sie kein Entkommen.

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Lichtblicke

Wo der erste Blick nichts sieht,
unscheinbarer Alltag uns besiegt,
der flücht‘ge Augenblick dem Durchschnittsgrau entflieht,

der zweite Blick dann unerwartet innehält,
uns die entfloh‘ne Gedankenwelt entfällt,
und unser Sein im Jetzt behält,

wir erstaunt den dritten Blick dann wagen,
und erst jetzt das Licht gewahren,
das wir im ersten Blick nicht sahen.

Lichtblicke

Lichtblicke

Das verschwundene Christkind

Als ich heute Nachmittag das Christkind besuchen wollte, war es aus seiner Krippe verschwunden. Wo mag es wohl hin sein? Hat es ihm in seiner Krippe so alleine in der leeren Kirche nicht mehr gefallen?

Kein Mensch kümmerte sich mehr um es. Alle haben vermeintlich etwas besseres zu tun, gehen schon wieder shoppen. Oder fahren in Urlaub. Weihnachten ist abgehakt. Jetzt kann Konsum, Wellness und Freizeitvergnügen wieder in den Vordergrund rücken. Mit Silvester wartet schon das nächste Event. So mancher wird aufatmen. Gottseidank haben wir dieses Weihnachtsgedusel für dieses Jahr hinter uns gebracht.

Das Christkind hat das vorausgesehen. Es kennt das. Seit vielen Jahrhunderten ist das so. Deshalb hat es schon an Weihnachten beschlossen, dass es keinesfalls so einsam und allein in seiner Krippe in der kalten Kirche zurückbleibt. Wohin ist es verschwunden?

Wenn ihr nicht zu mir kommt, dachte das Christkind ganz pfiffig, dann komme ich eben zu euch. Es hat sich heimlich, still und leise an Weihnachten in die Herzen der Menschen geschlichen, die es an Heilig Abend mit glänzenden Augen angesehen haben. In die Herzen der Menschen, die sich an ihm gewärmt haben. Als Dank wärmt es nun diese Menschen von innen heraus, unabhängig von Weihnachten.

Eigentlich bin ich damit ganz zufrieden, denkt das Christkind bei sich, in den Herzen der Menschen ist es schöner als alleine in der leeren ungeheizten Kirche. Es strahlt vor Freude über seinen Einfall. Die Menschen, in denen das Christkind strahlt, spüren das. In ihren Augen spiegelt sich das Strahlen des Christkinds und – wenn sie einem anderen Menschen in die Augen sehen – geben sie dieses Strahlen weiter.

Man kann sich das so vorstellen, wie wenn bei der Christmette das Weihnachtslicht weitergereicht wird, von Mensch zu Mensch und manchmal auch von Herz zu Herz.

Kettenlicht

Heiliger Abend

Heiliger Abend
Glockenklang
Weihnachtsglanz

Funkelnder Lichterbaum
Glänzende Kindergesichter
Welt im Weihnachtsrausch

Volle Kirchen
Voller Menschen
Weihnachtsfolklore

Verdeckt von Geschenkpapierbergen und
fast vergessen in all der Pracht,
der Ursprung der Heiligen Nacht.

Heiliger Abend

Vierter Advent

Unruhig gehe ich in den vierten Advent,
Wieso bin ich so bewegt?

Unruhig lausche ich in den vierten Advent.
Was bringt die Saiten in mir so ins Schwingen?

Unruhig wandere ich durch den vierten Advent.
Eiskalter Dezemberregen durchnässt mich, ohne mich zu kühlen.

Unruhig gehe ich aus dem vierten Advent.
Wehend hinein in die Heilige Nacht.

Heilige Nacht

Arm und reich

Durch alle Dunkelheit hindurch,
sehe ich Dein Licht,
durch alle Angst,
alles Leid,
alles Nichtverstehen hindurch,
leitet mich Deine Hand.

Dein Licht leuchtet,
auch wenn ich es nicht sehe,
Deine Kraft waltet,
auch wenn sie verborgen ist,
Du sprichst mit mir,
auch wenn meine Ohren es nicht hören.

Du wirkst so wunderbar,
dass ich als Mensch es nicht begreifen kann.
Mein Verstand vermag Dich nicht zu fassen,
mein Tun ist mehr ein Unterlassen,

Arm und doch so reich steh ich vor DIR.

Blöße

Künstliches Licht

Ein Licht kommt in die Welt,
Ein Licht ist in der Welt.
Verdeckt vom Kunstlicht unserer Lichterwelt.
Wo ist der Schalter,
um den Strom abzustellen?

Verdecktes Licht

Verdecktes LIcht

Nicht gelebt

Der Advent verrinnt mir unter den Fingern.
Obwohl ich mich nicht auf dem Advents-Rummelplatz aufhalte.
Obwohl ich nicht in Weihnachtshektik bin.
Obwohl ich mir Zeit nehme und Stille gönne.

Der Advent verrinnt in meinem Inneren.
Ich warte auf etwas, ohne zu wissen auf was.
Es ist mir, als müsste ich noch etwas tun, ohne zu wissen warum,
Es drängt mich, mich vorzubereiten, ohne zu wissen wie.

Der Advent verrinnt wie mein Leben.
Ich fühle mich, als ob er gerade anfängt.
Stelle aber fest, dass er bald vorbei ist.
Wie nicht gelebt.

Warten im Advent

Mitten in der Nacht

Mitten in der Nacht
bin ich plötzlich aufgewacht,
geweckt von einem Geistesblitz.

Wer freut sich nicht über ein Adventslicht?

Der, dem es an einem aufrichtigen Herzen gebricht.

Adventsblitz

Wünschebaum mit Fragezeichen

Weihnachtsfest – Wünschefest.

Materielle Wünsche.
Glückwünsche.
Lebenswünsche.
Friedenswünsche
Gebetswünsche.
Segenswünsche.

Alles Weihnachtswünsche.

Ist Gott für uns ein Wünschebaum, an den wir unsere Wünsche hängen wie die Dekoration an einen Weihnachtsbaum?

Erwarten wir, dass ihm alles gefällt, was wir ihm anhängen?
Erwarten wir, dass unsere Wünsche in Erfüllung gehen?
Erwarten wir, dass er tut, was wir wollen?

Was ist, wenn er kein Wünschebaum ist?
Wenn er nicht erfüllt was wir uns wünschen?
Wenn er unseren selbstgebrauten Wunschpunsch verweigert?

Was machen wir dann mit unserem Wünschebaum?
Entsorgen wir ihn, wie einen dürren Christbaum, der seinen Reiz für uns verloren und keinen Zweck mehr für uns hat?

Oder?
Werden wir zum grünen Baum?

Grüner Baum

Aschermontag

Montags geht es mir schlecht.
Wieso?
Es liegt am Sonntag.
Ob es mir besser geht, wenn ich das lasse,
was die Sonntage zum Sonntag machen?
Die Sonntage abschaffe?

Selbst-Zerstörung.
Fröhlich.
Fröhlich Leiden.
Leiden verstehe ich.
Aber was ist fröhlich?
Selbst-Zerstörung als Lust?
Lustiges Leiden?

Die unfröhliche Variante muss reichen.
die kann ich,
die kenn ich ,
aber fröhlich.
fröhlich kenn ich nicht.

Mehr kann ich nicht bieten.
Mehr habe ich nicht zu bieten.

Oder die Montage abschaffen?

Trennlinie

Soweit die Füße tragen

So weit die Füße tragen.
Wie weit tragen die Füße?

Experiment am Selbstobjekt.

Ich kann 12 Stunden ohne Pause durcharbeiten.
Ohne zu essen,
Immer auf das konzentriert, was gerade das Nächste ist.
Web-Konferenzen dazwischen.
Das lockert auf.
Dann steht noch einer in der Tür.
Wenn andere in den Feierabend gehen,
gehe ich in die 2.Schicht.

Haufenweise Probleme,
die gelöst werden wollen.
Probleme der anderen.

Das macht mich leicht.
Es sind die Probleme der anderen.
Die kann ich lösen.
Das erleichtert die anderen.

Es gibt noch andere Spätarbeiter,
die immer noch Probleme haben,
die sie noch nicht an mich adressiert haben.
Das verbindet,
Gemeinschaft der Spätarbeiter.
Als Dank bekommen sie ihr Problem gleich gelöst.

Meditatives Arbeiten.

Ohne Rechenschaft vor mir abzulegen, wieso ich das mache,
ohne zu hinterfragen, ob ich was anderes verdränge,
ohne mich selbst anzuzweifeln,
ohne Emotionen.

Einfach arbeiten.
Es ist völlig gleichgültig,
was man tut.

Wie lange?
Ist das von Interesse?

Den Acker bestellen.
Den Acker bestellen

Schweigen

Warten auf Antwort –
Nichts als Schweigen.

Menschliche Sprachlosigkeit.
Göttliches Schweigen.

Schweigend leidest du in der Hölle.
Schweigend bist du im Karsamstag.

Warten auf Morgen.
Warten auf Erlösung,

Hoffen auf Morgen,
Hoffen auf Ostern.

Karsamstag
Karsamstag

Morgenglühen

Vor mir zwei Arbeitstage in einem,
Ohne Zeit Atem zu holen.
Arbeits – Alltags – Lebensschluchten.

Für mich gedacht –
Sagt mir der Morgenhimmel.

Morgenglühen
Morgenglühen