Vaterunser (5) – Und vergib uns unsere Schuld (1)

Lieber Luther,

zum nächsten Teil des Vaterunsers:

Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern,

musste ich einen langen Anlauf nehmen, neu Kraft schöpfen. Schon der erste Teil des Vaterunsers fordert viel, überfordert uns oft.

Der Anlauf geht ganz zurück, ganz an den Anfang der Schrift. Adam und Eva haben sich gegen Gott versündigt, ihr Nachkomme, Kain, gegen seinen Bruder. Er hat ihn erschlagen, aus Eifersucht: Du Gott, wieso bevorzugst du ihn und nicht mich? War bei Adam und Eva das Böse, das Trennende zwischen Gott und den Menschen, geboren, war es bei Kain und Abel das Böse zwischen Brüdern. Der eine erschlägt den anderen, weil er haben will, was dieser hat, weil er missgünstig ist, eifersüchtig, machtgierig. Damit war das zwiefältig Böse in der Welt: Das Böse gegen Gott und das Böse gegen den Bruder. Kain, der Erworbene, der im Besitz Gottes war, hat seinen Bruder Abel, den Atemhauch Gottes, erschlagen. Wie atmen, ohne Atemhauch? Das ist die Frage bis heute.

1.Mose 4, 17- 25: Kain, der Erworbene, baute eine Stadt und benannte sie nach seinem Erstgeborenen Henoch, dem Eingeweihten. Ihm wurde Irad geboren, die bleibende und ewige Stadt. Irad heißt auch Eselsfüllen. Die ewige Stadt wird auf einem Eselsfüllen. Irad, der ewigen Stadt, wurde Mehujael geboren, der Lebensspender, die Lebensquelle in Gott. Ihm wurde Methuschael geboren, der Mann Gottes. Methuschael zeugte Lamech, den machtvollen Krieger, den Überwinder, der Überwinder wird durch die Lebensquelle. Lamech nahm zwei Frauen: Ada, die Geschmückte, die Schöne, und Zilla, den Schatten, den Schutz im Schatten. Der Mensch kann nicht immer in der Sonne gehen. Ada gebar Jabal, den Wanderer, der Vater derer wurde, die in Zelten wohnen, Zelte, die Unterkunft der Hirten. Zilla gebar Tubal-Kain, den Erworbenen, der zurückgekehrt ist, den Vater all derer, die Kupfer und Eisen schmieden. Er hatte eine Schwester, die hieß Naama, die Schöne, die Liebliche, die Freundliche.

Lamech, der Überwinder, sprach zu seinen Frauen, dem Morgen und dem Schatten, hört auf meine Rede! FürWAHR, ich habe den Starken erschlagen, der mir Wunden zugefügt hat und den Schwachen, der mir Striemen geschlagen hat. Der von Gott Erworbene hat seinen Atemhauch erschlagen. Dennoch: Wer Kain, den Erworbenen, erschlägt, wird 7mal gerächt, aber wer Lamech, dem Überwinder, Wunden und Striemen schlägt, wird 77 mal gerächt.

Adam, das A, der Anfang, gebar noch einen Sohn, Seth, den „Ersatzmann“, so die Wortbedeutung: denn Gott hat mir einen anderen Nachkommen gesetzt, anstelle Abels, und zeugte den Atemhauch Gottes: Enosch, den Menschen.

Gott hatte sich und den Menschen geboren. Seine Weltordnung ist hier beschrieben:

Adam und Eva fehlen. Die Menschen sind gut und böse und bleiben doch die Kinder Gottes, der für sie sorgt. Die Menschen, die von Gott Erworbenen, erschlagen den Atemhauch Gottes. Gott gebiert Eingeweihte, die seine bleibende, ewige Stadt bauen. Die Lebensquelle kommt auf einem Eselsfüllen daher, der Mann Gottes, der machtvolle Krieger, der Überwinder, eins mit der Geschmückten, der Schönen, die Schutz in ihren Armen, im Schatten ihrer Flügel, spendet. Die Kinder, sie wandern und suchen eine Dach unter dem Zelt des Hirten. Und die im Schatten wohnen, Kupfer (= Schlange) und Eisen (= Sünde; Zeichen des Gerichts) schmieden, haben eine Schwester, die heißt: die Liebliche, die Schöne.

Lamech, der Überwinder sagt: Wer Kain, den Erwählten, den Menschen, schlägt, wird 7mal gerächt, wer aber Lamech, den Überwinder, schlägt, wird 2 mal 7, 7 und 7 gerächt, einmal für die Wunden, einmal für die Striemen, einmal die Starken, einmal die Schwachen. Wunden oder Striemen, Starke oder Schwache, was zählt sind die Wunden und Striemen am Überwinder. Was zählt, ist jede Missetat an der 7, der Herrlichkeit Gottes. Das sei dir gesagt, Seth. Ersatzmann für den Atemhauch Gottes, der du Enosch, den Menschen, gebierst.

Damals fing man an, den NAMEN des HERRN anzurufen.

Sieben (7) steht in der Zahlensymbolik der Alten Schrift für die Herrlichkeit Gottes. Das heißt, wer dem Überwinder Wunden und Striemen schlägt, wird sich mit der Herrlichkeit Gottes auseinandersetzen müssen, die Striemen und Wunden, die sie ihm zugefügt haben, werden sich rächen. Man schlägt den Überwinder nicht umsonst. Aber: Wer Kain, dem fehlbaren, aber doch gottesanhänglichen Menschen, etwas zu Leide tut, wir dies 7 mal büßen, wer dem Überwinder Wunden und Striemen zufügt, wird erfahren, was Herrlichkeit + Herrlichkeit (7und 7) ist. Was Mensch untereinander versündigt, zählt einfach, was aber Mensch gegenüber Gott versündigt, zählt ein Vielfaches.

Das sind also die Rahmebedingungen für: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Was sagt uns die Alte Schrift weiter:

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern: Joseph wurde von seinen Brüdern verraten und verkauft. Aber Joseph hatte Gott auf seiner Seite. Als die Brüder, in Hunger und Not, zu Joseph kamen und ihn baten: So vergib uns unsere Missetaten, uns, den Dienern des Gottes deines Vaters Jakob, weinte Joseph. Er weinte vor Freude, weil sie umgekehrt waren. Joseph prüfte seine Brüder, ob sie es ehrlich meinten, und – als er erkannte, dass sie es ehrlich meinten – vergab er (1.Mose 50, 17).

Als Mose seinen Brüdern den Rücken zugekehrt hatte, weil er sich abgeschieden hatte, um in der Stille und Höhe mit Gott zu reden, geschah in seinem Rücken Übles (2.Mose 32, 30-35). Das Volk baute, unter tätiger Mithilfe von Moses Bruder, des Priesters Aaron, ein Goldenes Kalb, um es anstatt Gott anzubeten. Als Mose vom Berg Horeb (=Wüste) zurückgekehrt war, und diese Abgötterei sah, nahm er die Gesetzestafeln, die er gerade empfangen hatte, und brach sie vor Zorn über dieses abtrünnige Volk entzwei. Obwohl er zutiefst enttäuscht war, von seinem Bruder und von seinen Brüdern, trat er vor Gott für diejenigen, die ihm gegeben waren, ein. Ihr habt große Sünde getan, sprach er zu den Menschen, die mit ihm auf der Wanderschaft waren, aber ich will erneut hinaufsteigen zum HERRN, vielleicht kann ich eure Sünde versöhnen. Und Mose sprach zum HERRN: So vergib ihnen nun ihre Sünde, wo nicht, so tilge mich aus deinem Buch (des Lebens), das du geschrieben hast.
Gott ist verwundert. Was höre ich da von dir, Mose? Du forderst? Demut sieht anders aus. Ich will, sprach Gott zu ihm, aus meinem Buch tilgen den, der an mir sündigt. So sei nun gehorsam und führe das Volk dahin, wo ich dir gesagt habe, in das verheißene Land.

Saul, erst Gesalbter, dann Verworfener Gottes aufgrund seiner Verfehlungen. Samuel hält ihm entgegen: Meinst du, dass der HERR Lust habe am Opfer und Brandopfer gleich wie am Gehorsam gegen die Stimme des HERRN? Siehe, Gehorsam ist besser denn Opfer, und Aufmerken besser denn Fett von Widdern, denn Ungehorsam ist eine Zaubereisünde, und Widerstreben ist Abgötterei und Götzendienst. Weil du nun des HERRN Wort verworfen hast, hat er dich auch verworfen, dass du nicht König seiest (1.Samuel 15, 22-23).

Abigail war die Frau Nabals. Angesichts dessen Missetaten floh sie zu David und wurde seine Frau. Sie übertritt formal rechtliche Schranken, und reißt die Schranken in ihr nieder. Als sie David sieht, steigt sie eilends von ihrem Esel und wirft sich David, dem Geliebten Gottes, zu Füßen, und sprach: Ach sieh, Herr, mein sei die Missetat. Vergib diesem meinem Mann, er ist ein Narr, wie sein Name heißt. Beschmutze deine Hände nicht mit Blutschuld. Nimm den Segen, den deine Magd meinem Herrn gebracht hat, gib ihn weiter an die Menschen, die unter meinem Herrn wandeln. Vergib deiner Magd die Übertretung. Denn mein HERR wird meinem Herrn ein beständiges Haus machen; denn du führst des HERRN Kriege; und lass kein Böses an dir gefunden werden ein Leben lang. Und wenn sich ein Mensch erheben wird, dich zu verfolgen, und nach deiner Seele steht, so wird die Seele meines Herrn eingebunden sein im BÜNDlein der LEBENDIGEN bei dem Herrn, deinem Gott; aber die Seele deiner Feinde wird geschleudert werden mit der Schleuder (oder Worfel in der Tenne). Wenn denn der HERR all das Gute meinem Herrn tun wird, was er dir geredet hat, und gebieten, dass du ein Herzog seist über Israel, so wird’s dem Herzen meines Herrn nicht ein Anstoss noch Ärgernis sein, dass du Blut vergossen ohne Ursache und dir selber geholfen; so wird der HERR meinem Herrn wohltun und wirst an deine Magd gedenken (1.Samuel 25, 23-31).

David betet (Ps 25): HERR, zeige mir den Weg und lehre mich deine Steige (= den Weg aufwärts zu dir). HERR, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, als ich noch dumm und unreif war, noch nicht erkannt habe, was Leben eigentlich ist (Pred 11,9). Gedenke, HERR, meiner, deiner Barmherzigkeit und Güte willen! Der HERR ist gütig und aufrichtig, darum LEHRT er die schuldbeladenen Menschen in dem Weg, den sie gehen sollen. Er LEITET die Sanftmütigen im Recht und lehrt sie seinen Weg. Die Wege des Herrn sind Gnade und Treue denen gegenüber, die seinen Bund und seine Zeugnisse bewahren… Meine Augen sind auf den HERRN gerichtet, denn er wird meine Füße aus dem Netz, in dem sie gefesselt sind, lösen… Sieh meine Mühsal an und vergib all meine Sünden. Bewahre meine Seele und rette mich, lass mich nicht zuschanden werden, denn ich berge mich bei dir (im Schatten deiner Flügel).

Lieber Luther, es ist bewegend, zu sehen, wie tief die Wurzeln Jesus gehen, wie konsistent die Schrift bis in die Evangelien in sich ist. Das muss alles gewusst und verstanden werden, bevor man Jesus versteht. Man kann ihn und das was er sagt, nicht von seinen Wurzeln, von seiner Wurzel, trennen. Seit der Mensch von Gott weiß, kennt er – an sich – seine Ordnung, das was das Ordnungskriterium für ihn ist, das was seine Beziehung zu seiner – fehlbaren – Schöpfung Mensch ausmacht. Von Anbeginn der Schöpfung fehlt der Mensch und Gott hilft dem fehlbaren Menschen, ihn nicht zu verfehlen. Vergebung wird schon gelehrt, seit über unseren Gott gepredigt wird. Vergebung war sein Prinzip von Anfang an, sonst hätte er den sündhaften Menschen von Anbeginn verwerfen müssen. Er hat aber nicht verworfen. Gott baut eine ewige Stadt, in die sein Mensch sich flüchten kann, wenn er will, bereitet Schatten und Zuflucht unter seinen Flügeln. Er baut ein Flüchtlingslager. Er sagt auch von Anfang an: Wenn Mensch unter Mensch fehlt, ist das ein Peanuts dagegen, wenn Mensch gegen Gott fehlt. Das zählt ein Vielfaches. Aber: wenn der Mensch ehrliche, wahre Reue zeigt, sich ihm zu Füßen wirft, Gott um Vergebung bittet, dann hört Gott. Jesus kennt die Quelle seines Glaubens, kennt die Bilder und Symbole, nimmt alles auf und setzt es in einen neuen Kontext. Er knüpft unmittelbar an seine Wurzeln an und lässt aus dem alten Weizenkorn neue Frucht erwachsen. Dazu mehr nächstes Mal.

Herzliche Grüße
Deborrah

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