Glaubt an mein Kreuz

Lieber Luther,

Glaubt an mein Kreuz, sagt Jesus im Jakobusbrief, der in den Texten von Nag Hammadi überliefert ist. Welche Litanei rattert da bei vielen im Kopf herunter? Jesus musste leiden, weil es sein Vater so gewollt hat, für uns, damit er durch sein Leiden und seinen Tod uns von unseren Sünden erlöst. Jesus, der vom Vater für uns geopfert wurde, Jesus, der sich selbst opferte, weil beide uns so lieben, dass ihnen jedes Opfer für unsere Rettung recht ist. Jesus, das Lamm Gottes, das schweigsam und tapfer die Sünden der Welt ans Kreuz trägt. Christus, du (Schlacht)Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarm dich unser. Gott als unbarmherziger Vater, der seinen Sohn opfert, seinen vollkommenen Sohn für die Sünden und Boshaftigkeiten anderer unperfekterer Söhne? Kein Vater handelt so, wieso ausgerechnet Gott, der Inbegriff des Gut?

An sich, lieber Luther, zeigt schon der gesamte Glaubenskontext, der in der Bibel insgesamt, im Ersten Testament aufgeblättert wird, dass das so nicht sein kann. Gott will keine Opfer, schon gar nicht opfert er seinen Sohn. Er opfert nicht eines seiner Kinder. Wie könnte man in einen Vater vertrauen, der vor so etwas nicht zurückschreckt? Wo liegt des Pudels Kern für so eine verdrehte Sichtweise?

Wir gehorchen dir, wenn DU willst, sagt Jakobus, wir haben schon Vater, Mutter, unser Heimatdorf für dich verlassen. Gib uns, dass wir nicht vom Bösen versucht werden. DU Jesus, wenn du willst, folge ich dir nach, verhindere DU, dass das Böse uns etwas anhaben kann. DEIN Wille, DEIN Tun. Mach DU, damit ich fein raus bin.

So geht das nicht, sagt Jesus. Wer mir folgen will, der veleugne sich selbst und nehme sein Kreuz täglich auf sich und folge mir nach (Lk 9, 23; Mt 16, 24). Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein (LK 14,27). Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist mein nicht wert (Mt 10, 38). Diese Botschaft ist also: DU Mensch, DU Bruder, musst DEIN Kreuz auf dich nehmen, wie ich MEIN Kreuz auf mich nehme. Zeige, dass du mir tatsächlich im Denken und Tun nachfolgst.

Jesus erklärt im Jakobusbrief (NHC 1,2) näher, was gemeint ist, da weder Jakobus noch Petrus erkannt haben, dass sie selbst einen Beitrag zu leisten haben, um Jesus nachzufolgen, wie auch Jesus seinen ihm zugedachten Beitrag geleistet hat. Wie lernst du, dem Bösen zu widerstehen, wenn du dich ihm nicht stellst, fragt er. Wie willst du deinen Brüdern lehren, das Böse hinter sich zu lassen, wenn du nicht weißt, wie das geht? Du musst es selbst tun, um zu verstehen, was dies heißt, um zu lehren, wie die Abwehr des Bösen geht. Du musst aktiv das Böse lassen und das Gute tun. Ich kann nur zeigen, wie es geht, tun musst du es selbst.

Ihr wollt das Leiden meiden, insbesondere das körperliche, weil ihr Angst vor ihm habt, sagt Jesus. Indem ihr Angst vor ihm habt, gebt ihr eurer Angst Macht über euren Geist. Euch regiert die Angst, und euer Streben, körperliches Leiden zu vermeiden. Das vernebelt euch die Sinne, so dass ihr im Bestreben, eure Haut zu retten, Gott nicht mehr wahrnehmt. Wo ist euer Vertrauen auf ihn? Glaubt ihr, dass er für euch sorgt? Wieso sorgt ihr euch dann? Wollt ihr nicht aufhören, euer Fleisch, euren Körper zu lieben und stattdessen Gott allein? Ihr nennt euch Nachfolger?

Ihr sagt: Sprich ja nicht vom Kreuz und Tod. Beides macht euch Angst. Wieso? Wo ist euer Gottvertrauen? Wo ist euer Glaube?

Was soll euch mein Kreuz sagen? Es soll euch sagen, tragt euer Kreuz, wie ich meines getragen habe. Ich habe mich nicht dem Bösen gebeugt, ich habe mich nicht von meinem Vater trennen lassen, obwohl ich Bösem ausgesetzt war. Ich habe nicht Abbitte geleistet für das, was ich predige, ich bin dazu gestanden. Mein Körper ist eine zeitliche Einrichtung, er wird absterben, mein Geist ist ewig, überlebt nur, wenn ich dem Bösen, dem ich ausgesetzt bin, nicht nachgebe, wenn ich das Böse von mir abscheide.

Mein Geist ist eins mit dem Vater. Das Böse, die Bedrohung meines Körpers, konnte mich nicht von ihm trennen. Der väterliche Geist hat mich durch seine Gegenwart unberührbar gemacht für alle Spielarten des Bösen, dem ich ausgesetzt war, dadurch, dass ich mich nicht von ihm trennen ließ. Ich musste durch diese Versuchung hindurch, wie jeder Mensch zahllose Male durch sie hindurch muss. In welcher Form auch immer er ihr ausgesetzt ist. Jeder hat diesen Teil, auch ich hatte ihn. Ihr jammert schon, bevor ihr der Versuchung im Leiden überhaupt ausgesetzt seid. Zeigt, dass ihr tatsächlich Nachfolger seid.

Ihr nehmt euern Körper zu wichtig. Er ist nur zeitlich, das Leiden, das euch versucht, ist weniger als ein Wimpernschlag, in dem ihr widerstehen müsst. Glaubt an mein Kreuz heißt, seht, mir konnte das Kreuz nichts anhaben. Ich bin durch alles Leid hindurch bei meinem Vater geblieben, habe mich nicht getrennt, habe nicht gehadert, sondern den Tag und die Menschen angenommen, wie sie sind. Ich habe die Irrtümer meiner Brüder als Irrtümer erkannt: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Das gilt bis heute.

Seid nicht verblendet wie diejenigen, die meinen Leib getötet haben. Seht den Tod, wie ich ihn gesehen habe, er ist ein rein leibliches Absterben. Er konnte mich nicht schrecken, ich hatte keine Angst vor ihm, da ich weiß, es ist nicht mein körperliches Sein oder Nichtsein, das über mein Leben entscheidet, es ist der Zustand meines Geistes, seine Unschuld, seine Reinheit, seine Wahrheit, sein Einssein mit Gott, meinem Schöpfer und Vater.

Wenn ich geschwiegen habe wie ein Lamm, ist mir das nicht schwer gefallen, ich hätte sonst meine Unschuld verloren, wäre abgerückt vom ewigen Gut, das beim Vater ist. Wieso sollte ich das? Ich hätte mich verkauft an das Böse. Es galt, Gottes Wahrheit und Wahrhaftigkeit zu verteidigen. Das ist eine Art der Abwehr des Bösen, die nicht angreift, sondern die Wahrheit verteidigt, um jeden Preis. Werdet wie ich Verteidiger der Wahrheit Gottes.

Es ist kein Opfer, das ich gebracht habe. Ich wurde nicht ans Kreuz geschlagen, von meinem Vater bestraft, weil der Mensch irrt. Wieso sollte mich mein Vater für SEINE Schöpfung bestrafen? Mein Vater mag keine Opfer, das wissen wir schon seit Abraham. Warum sollte er dann seinen Sohn opfern? Da stellt man die Wahrheit auf den Kopf. Das Böse kommt von irregeleiteten Menschen, nicht von einem bösartigen Gott, der nicht einmal vor seinem Sohn halt macht. Man kann das menschlich Böse nicht Gott in die Schuhe schieben. Derjenige, der böse denkt und in der Folge böse handelt, verantwortet das ganz allein, er hat sich für das Böse entschieden, nicht für das Gute. Gott ist Vollendung. Vollendung kennt das Böse nicht. Der menschliche Wille denkt das Böse, macht in der Folge das Böse und schreibt dann Gott auch noch das Böse zu. Tappt nicht in die Falle! Erinnert euch an mein Kreuz und meinen Tod und ihr werdet leben, wie ich lebe. Seht euch vor, dass euch euer Geist nicht zum Bösen verführt, ihr der Angst nachgebt, ihr denkt euer Leben zu retten und es doch verliert. Es ist EUER Teil, nicht mein Teil. Der Heilige Geist ist in euch, doch ob ihr ihn wirken lasst, ist eure Entscheidung.

Euch ist ein freier Wille gegeben. Freier Wille heißt, zeigt euch würdig, ein Kind Gottes zu sein, wie ich es getan habe. Macht es besser als ich. Ihr könnt euch dafür entscheiden oder dagegen. Das, was als meine Schwäche angesehen wird, war meine Stärke, meine Entscheidung für die Stärke Gottes, meine Entscheidung gegen das Weichen vor der körperlichen Gewalt der Schwachen. Meine Stärke, meine Entschiedenheit nicht von Gott abzurücken, trotz Leid, ist am Kreuz für alle offenbar geworden. Meine Stärke, die auch eure Stärke werden kann, wenn ihr es zulasst, ist nicht mit körperlicher Stärke zu verwechseln. Es ist geistige Stärke und Unbeugbarkeit, Festigkeit im Geist, ebenbildlich mit dem Heiligen Geist. Ihr mögt das nicht denken, weil es euch etwas abverlangt, es euch Angst macht. Eure Angst hat nur mit euch selbst zu tun, nicht mit Gott, mit der Bildlichkeit die ihr mit Gott verbindet, das Bild, das ihr euch selbst von ihm aufzwingt.

Ihr müsst euren Geist selbst vor solchen Abwegen bewahren, euer Denken gehorcht eurem freien Willen. Der schöpferische Plan meines Vaters hat euch diesen freien Willen gegeben. Deshalb müsst ihr euch bewusst entscheiden, das irrige Denken aufzugeben, ich sei gestorben, damit ihr von aller Sünde befreit seid. Solange ihr das nicht aufgebt, tragt ihr euer Kreuz nicht, sondern leidet unter dem Kreuz, habt ihr euch nicht für meinen Weg, sondern für das leidende Verharren vor meinem Kreuz entschieden. Das bringt euch und die, die ihr anleiten sollt, nicht Gott näher. Tretet ein in die Verantwortung, die euch zugedacht ist, nehmt sie. Wenn ihr diese Verantwortung nicht für euch selbst übernehmt, nicht die richtige eigene willentliche Entscheidung trefft, wie wollt ihr den Willen des Vaters tun, wie wollt ihr nachfolgen? Das ist nicht möglich. Werdet besser als ich, das sollte euer Ansporn sein. Werdet wie ein unschuldiges Kind, das nur dem Heiligen Geist folgt, wahrhaftig, frei von selbst geschaffener Gefangenschaft in eigenen Verstrickungen.

Glaubt meinem Kreuz. Es ist ein Sieg über die Angst. Besiegt die Angst, ihr könnt euer Kreuz nicht tragen, ihr seid überfordert. Alles, was Angst macht, ist menschlich. Ihr denkt Angst, wo keine Angst ist. Ihr macht die Angst selbst, indem ihr Gedankengebäude in eurem Kopf auftürmt, euch Gott vorstellt, wie er nicht ist. Im Göttlichen gibt es keine Angst. Jeder Sieg über die eigene Angst, das eigene Nichtzutrauen, ist ein Sieg der göttlichen Wahrheit in euch über die selbstgemachte Fehlgeleitetheit. Glaubt an mein Kreuz, das Böse konnte mich nicht töten. Besiegt eure Angst, besiegt eure eigene Fehlleitung und ihr werdet sehen, dass es auch euch nicht töten kann. Nehmt euren Anteil, wählt, wie ich, die Befreiung, nicht eure Gefangenschaft im Bösen! Löst eure (Gedanken)Ketten, die ihr euch selbst anlegt.

Lieber Luther, nichts hinzuzufügen.

Herzliche Grüße
Deborrah

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