Unterwerfung – Politik-, Gesellschafts-, Religionsversagen

Noch nie hat mir ein Buch so Angst gemacht, wie der im Januar diesen Jahres erschienene Roman von

Michel Houellebecq: Unterwerfung, 3.Aufl., Dumont, 2015.

Er beschreibt ein Schreckensszenario. Kein Autor, so schreibt die FAZ, hält der offenen Gesellschaft ihre Albträume so schonungslos vor wie er.

Houellebecq nimmt die gegenwärtige Völkerwanderung vorweg und beschreibt ein Szenario ihrer möglichen politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen im Jahr 2022. Er beschreibt gnadenlos das Politik- und Gesellschaftsversagen, das Versagen der Intelligenz, das Versagen der christlichen Religionen, die kampflose Freigabe des abendländischen Wertesystems, das sich selbst aufgibt und nur noch dem materiellen Individualismus lebt. Er beschreibt die Käuflichkeit des Bildungsbürgertums. Er beschreibt, wie wenig es braucht, um dem europäischen, christlich geprägten Wertesystem den endgültigen Todesstoß zu versetzen.

Die Handlung zusammengefasst: Der Icherzähler ist Literaturprofessor der angesehenen Pariser Universität Sorbonne im Jahr 2022. Er ist völlig unpolitisch und lebt in seinem Wissenschaftselfenbeinturm. Sein einziger Lebensinhalt besteht neben der Forschung und Lehre darin, sich seiner Sex-, Alkohol- und Zigarettensucht hinzugeben. Bindungsunfähig instrumentalisiert er für seine Sexualbedürfnisse seine Studentinnen, die er im Takt der Semester auswechselt.

Dieses unverbindliche Leben wird von den politischen Umbrüchen bedroht. Muslime sind dabei in Frankreich aufgrund von Völkerwanderungen die politische Macht zu übernehmen. Herkömmlich gibt es in Frankreich entweder eine Mitte-Links oder Mitte-Rechts Regierung. Das traditionelle Machtgefüge kommt ins Rutschen durch eine rechtspopulistische Partei und eine neue muslimische Partei, der ein smarter charismatischer Führer vorsteht. Wahlurnen werden gesteuert gestohlen, um die anstehende Wahl zu manipulieren. Es kommt zu gesteuerten Gewaltexzessen, die Universitäten werden geschlossen, die Kommunikationskanäle zensiert, die Bevölkerung eingeschüchtert. Der Machtkampf tobt im Hintergrund, nur durch Indizien ersichtlich. Ziel ist, bis zur Neuwahl die Schaltzentralen der Macht, wie Medien, Militär und Polizei, so zu manipulieren, dass am Ende zwar eine Wahl stattfindet, aber das Ergebnis schon von vornherein feststeht.

Wie viele bei der bewaffneten Auseinandersetzung ums Leben kommen, bleibt im Dunkeln. Die Leichen liegen auf der Straße, ohne dass sich jemand darum kümmert. Der herkömmliche Polizeiapparat ist ausgeschaltet. Die Medien werden von den kommenden Machthabern kontrolliert. Die verbleibende Wahlentscheidung heißt nur noch: Rechts oder Muslimpartei? Die Muslimpartei gewinnt mit überwältigender Mehrheit.

Die Bildungsintelligenz, dargestellt am Beispiel dieses Hochschullehrers, flüchtet und bringt sich auf dem Land in Sicherheit. Die Toten, die den Weg säumen, interessieren nicht. Man nimmt sie unberührt hin, mokiert sich eher daran, über sie hinwegsteigen zu müssen, dem Anblick ausgesetzt zu sein. Im Rückzugsreservat lebt man seinen gewohnten Lebensstil weiter, man kann es sich leisten, man ist gut abgefunden durch Pensionen. Die neuen Machthaber lassen sich dank der arabischen Erdölmilliarden nicht lumpen. Sie kaufen nicht mehr Fussballvereine, sondern das Bildungssystem auf, angefangen mit den Universitäten. Das Lehrpersonal kaufen sie gern mit und es lässt sich – nach einer Schamfrist – kaufen.

Die Philosophie ist eine Art islamischer Darwinismus. Die neuen Machthaber haben kapiert, dass das Herzstück für den Weg des Aufbaus einer islamischen Weltherrschaft die Bildung ist. Wer über die Bildung und das, was gelehrt wird, herrscht, beherrscht die Gesellschaft. Deshalb ist das erste, was die neuen muslimischen Machthaber tun, das Bildungssystem zu islamisieren. Frauen werden von der Universität verbannt, sie müssen sich gemäß den islamischen Vorstellungen kleiden und werden auf ihre dienende Familienrolle reduziert. Damit die Islamisierung schnell fortschreitet, ist Polygamie erlaubt: Je nach Einkommen, darf ein dominantes Männchen bis zu vier Frauen haben, die seine sexuellen und körperlichen Bedürfnisse zu befriedigen haben, und viele muslimische Kinder zur Welt bringen sollen. Wenn einer Frau das schon als Kind beigebracht wird, will sie gar nichts anderes, weil sie es nicht anders weiß, so der Bildungsplan für die Frauen.

Unterwerfung der Frauen unter die Männer, der Männer unter das Patriarchat des charismatischen muslimischen Führers: Das ist das neue Leitbild. Eine weitgehend friedliche islamische demokratische Unterwerfung Europas, die dank eines charismatischen Führers, der Käuflichkeit der Eliten und der Schwäche der christlichen Religionen, die keine tragenden Werte entgegen zu setzen haben, gelingt.

Basis für diese radikale Veränderung des Gesellschaftsmodells ist der massive Zustrom von Einwanderern mit einem vom Islam beeinflussten kulturellen Hintergrund. Von Menschen, denen patriarchalische Strukturen vertraut sind, deren Familienstruktur geprägt ist von der Unterwerfung der Frau unter den Mann. Der Protagonist dieses Wertewandels, der neue muslimische Universitätsrektor, sieht darin eine historische Chance für die moralische und familiäre Wiederaufrüstung Europas, er sagt, sie werde dem alten Kontinent die Aussicht auf ein neues goldenes Zeitalter eröffnen. Möglich mache all das die Erosion der christlichen Werte im Laufe der Jahrhunderte (siehe Seite 249).

Wenn der Islam das Christentum verachte, dann biete es dafür tausend Gründe; der Islam setze zuallererst Männer voraus. Die Idee der Göttlichkeit Christi sei der grundlegende Irrtum gewesen, der unausweichlich zum Humanismus und zu den ‚Menschenrechten‘ geführt habe. Die Aufgabe des Islam bestehe darin, die Welt zu reinigen, indem er sie von der schädlichen Lehre der Inkarnation befreie (S.245).

Diese Kultur (des christlichen Mittelalters) habe nach und nach an Boden verloren, sei Kompromisse mit dem Rationalismus eingegangen und habe darauf verzichten müssen, sich die irdische Macht zu unterwerfen; auf diese Weise sei sie allmählich zugrunde gegangen (S.249).

Die islamische Revolution und Übernahme der Herrschaft gelingt im Roman, weil das christliche Wertesystem nicht mehr in der Gesellschaft verankert ist. Es herrscht Angepasstheit, Wertelosigkeit, Käuflichkeit, Verantwortungslosigkeit, materialistischer Individualismus, Ichbezogenheit. Der Antiheld hat kein Wertesystem, das ihn leitet, das sich ihn innerlich und äußerlich auflehnen lässt. Deshalb wird er anfällig für die Versprechungen und Verlockungen der neuen islamischen Machthaber. Er schaltet den Kopf ab, blendet seinen Teil der Verantwortung für gesellschaftliche Entwicklungen aus, denkt an das Schlaraffenland seiner sexuellen Befriedigung qua Stellung als Mann und seines materiellen Wohlstands und unterwirft sich ohne große Gegenwehr:

Ich ging gemächlich zu Fuß nach Hause, wie ein kleiner alter Mann, während mir langsam bewusst wurde, dass das jetzt wirklich das Ende meines intellektuellen Lebens war (S.255) und der Anfang eines neuen: Es wäre die Chance auf ein zweites Leben, das nicht besonders viel mit dem vorherigen gemein haben würde (S.271).

Unterwerfung. Ja, dieses Buch macht Angst. Es beschreibt vielschichtige Unterwerfungen. Michel Houellebecq hält uns den Spiegel vor, denkt vorneweg. Er beschreibt die Eliten, die sich arrangieren und sich die Dinge schön reden, solange sie ihre Schäfchen im Trockenen haben. Die nicht die Konsequenzen durchdenken, oder sich nicht von ihnen berühren lassen, die nur dem Augenblick und sich selbst verpflichtet sind. Er beschreibt das Versagen dieser politischen und Bildungseliten, sofern man das christlich europäische abendländische Wertesystem noch als ein System ansieht, das es zu verteidigen gilt. Er beschreibt den beinahe kampflosen Untergang dieser Kultur. Er beschreibt die bewusste Verschleierung dieses Kulturwechsels, dessen Rechtfertigung in intellektueller Wichserei, er beschreibt die Unterwerfung der christlich geprägten Kultur unter die islamische Kultur. Er beschreibt den Untergang der gegenwärtigen abendländischen Gesellschaft.

Ja, dieses Buch macht mir Angst, ich gebe es offen zu. Parallelen zu der gegenwärtigen Entwicklung sind, wenn man den Mut hat, es auszusprechen, offensichtlich. Die Völkerwanderung ist eine Realität. Die Bundeskanzlerin sagt, sie habe keine Idee, wie sie zu begrenzen ist. Sie begnügt sich mit der Leerformel: Wir schaffen das. Aber auch: Unsere Gesellschaft wird sich verändern. Das Wie aber verschweigt sie. Unsere Gesellschaft ist gespalten angesichts der Flüchtlingsmassen. Auch das eine Realität. Politisches Versagen auf der ganzen Linie.

Die Idee, dass diese Menschen einmal eine muslimisch geprägte Partei gründen, dass sie unsere Werte nicht übernehmen, liegt auf der Hand und zeigt die Erfahrung. Wer mag ausschließen, dass sie keine begeisterten Deutschen werden, wie beschworen wird, sondern sich daran machen, ihre Werte durchzusetzen und unsere traditionellen Werte – demokratisch wohlgemerkt – überstimmen? Dass wir mit den eigenen Mitteln geschlagen werden? Es wäre eher überraschend, wenn es nicht so käme. Das Szenario, dass die Parteien der gemäßigten Mitte unter dieser Belastungsprobe wegen Handlungsunfähigkeit hinweggefegt werden, und ein neues Parteiensystem entsteht, mit der Wahl zwischen Rechts oder islamisches Patriarchat, zwischen Pest und Cholera, ist das wirklich ein auszuschließendes Szenario? Es sollte aufhorchen lassen, dass selbst der Bundespräsident, der tief im christlichen Wertesystem verankert ist, dem man sicher weder Links- noch Rechtspopulismus oder Panikmache vorwerfen kann, warnt.

Die deutschen Politik-, Bildungs- und Wirtschaftseliten haben schon öfters versagt, die Augen verschlossen, wo sie nicht mehr zu verschließen sind. Jeden Tag kommen Menschen in der Größenordnung einer Kleinstadt zu uns, in einer Woche eine mittlere Großstadt, ungebremst, ohne Idee, wie das zu bewältigen ist. Die Menschen, die das vor Ort bewältigen müssen, werden alleine gelassen. Wir schaffen das. Wirklich? Die Mahner werden in bewährter Manier in die rechte Ecke gestellt, insbesondere von der Bildungselite, die sich moralisch überlegen fühlt und mit Arroganz die Angst weiter Teile der Bevölkerung verächtlich abtut. All das kennen wir von den Bildungseliten schon und hat jeweils in der Katastrophe geendet. Die Hälfte der Bevölkerung, mit steigender Tendenz, als tumbe rechte Dumpfbacken einzuordnen, ist eine Fehlleistung sondergleichen. Wer große Teile der eigenen Bevölkerung ausgrenzt, macht sich selbst zum Totengräber unseres Wertesystems.

Die Dinge geraten in beängstigender Weise außer Kontrolle. Die Leser sind „ein bisschen schockiert“ über das Titelblatt des Tagesspiegel vom 7.Oktober. Der ein oder andere Schock könnte hilfreich sein und beim Aufwachen helfen. Es veranschaulicht das Szenario, das Michel Houellebecq, einer der wichtigsten und umstrittensten Autoren der Gegenwart, schonungslos beschreibt. Es ist ein Szenario. Eine Denkmöglichkeit. Denkmöglichkeiten, die in vielen Köpfen sind. Anstatt sie zu verteufeln, sollten wir sie ernst nehmen.

Ein Lösungsansatz ist definitiv nicht, diese Menschen einfach in die rechte Ecke zu stellen. Erst aufzuwachen, wenn sie dort sind, ist zu spät. Das zeigt die Geschichte. Zu erwarten, dass sich diese 1:1 wiederholt, ist die nächste Fehlleistung. Die Fähigkeit zur Transformation der Lehren aus der Geschichte in die heutige Gegenwart ist gefragt. Und ein entsprechendes entschlossenes Handeln. Politisch-gesellschaftliches Versagen auf der ganzen Linie, gepaart mit dem Versagen des kulturell-religiösen Wertesystems und des Bildungsbürgertums beim Umgang mit der eignen Bevölkerung ist ein gefährliches Gebräu, das, erst einmal außer Kontrolle, explodieren kann. Aufzuwachen, wenn es zu spät ist, hat in Deutschland eine unrühmliche Tradition.

Abbild des Zustandes unserer Gesellschaft, zu ernst, um komisch zu sein:

Flüchtlingskrise

3 Kommentare zu „Unterwerfung – Politik-, Gesellschafts-, Religionsversagen“

  1. Die Frage die sich mir bei all dem stellt ist eine andere. Als bekennende Christin habe ich die Wahl. Ich kann wählen zwischen dem was uns auch durch die Bibel gesagt wurde, z. B. Mich um den Fremdling kümmern und ihn nicht bedrücken, ihm mit der Liebe zu meinem Nächsten begegnen und sowohl das Evangelium mündlich aber gerade auch in Tat verkündigen. Wie wir teilweise Wissen bekehren sich immer mehr Muslime zu Christus. Dies geschieht genau an den Orten wo Christen Nachfolge Jesu leben. Natürlich wäre s blauäugig nicht zu wissen welche Gefahren uns durch den Islam drohen. Und wer Gott ernst nimmt, weiß auch, dass auch all das was schon in der Bibel unter Endzeit steht kommen wird. Doch finde ich nicht eine Bibelstelle in der stehen würde, dies sei aufzuhalten. Was also tun? Wir bereits oben beschrieben haben wir einen Auftrag, den Auftrag der Liebe die sogar unsere Feinde miteinschließt. Den Auftrag, das Evangelium allen Menschen zu bringen. Liebe die dafür notwendig ist habe ich jedoch nur, wenn ich mich Jesus Christus vollkommen hingebe und ihm vertraue. Die vollkommene Liebe vertreibt die Angst.

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  2. Ich habe mich an das dieses Buch in der jetzigen Flüchtlingssituation auch erinnert, obwohl ich nur über das Buch seinerzeit gelesen hatte, mich aber nicht daran gemacht hatte, weil ich vorher mit dem dem Buch „Ausweitung der Kampfzone“ so gar nicht klar gekommen war. Ich weiß gar nicht mehr, war es der Stil oder das Sujet .
    Wenn ich deine Buchbeschreibung jetzt hier lese, erinnere ich mich, dass ich als junger Mensch in meiner Schulzeit – da hatte man unendlich viel Zeit, zu lesen und zu reflektieren- mit ähnlicher Empathie „Die Pest“ von Albert Camus gelesen hatte. Dort wird die Veränderung der Gesellschaft in allen Schichten und Millieus hier unter Ausbruch der Epidemie als kollektives Verhängnis geschildert.
    Nun werde ich also doch Michel Houellebecq lesen müssen.

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