Hier wieder einmal eine Bet-Mutmach-Geschichte:
Vor meinem Urlaub hatte ich wochenlang mit meinem Team an einem Positionspapier gearbeitet, es als letzte Tat vor meinem Urlaub vollendet, 26 Seiten Powerpoint-Präsentation in Englisch, mit vielen Grafiken, sehr zeit- und arbeitsaufwendig. Ich war ganz zufrieden mit dem Resultat, als ich an meinem letzten Arbeitstag kurz nach 19.00 Uhr meinen Computer heruntergefahren habe.
Diese Woche wollte ich die Präsentation hervorholen, jedoch, sie war nicht mehr aufzufinden. Den ganzen Computer, eRooms, eMail-Anhänge überprüft: Nichts, keine Spur. Mein Termin rückte näher, mein Stresslevel stieg und stieg. Meine Analyse: Wahrscheinlich habe ich die Datei, als ich meinen Computer heruntergefahren habe am letzten Arbeitstag, im Tran der Erschöpfung und einen Augenblick unkonzentriert, überschrieben, „Do you want to save the data“, „yes“. Alles verloren, ein Desaster am ersten Arbeitstag. Und wieso habe ich eigentlich keine Vorversionen?
In Lösungen denken. Computerspezialisten anrufen, vielleicht gibt es irgendwo in den Tiefen des Systems Sicherungskopien. Gecheckt: Nichts. Im Termin: Improvisieren, sorry, mein Papier ist leider unwiederbringlich verloren gegangen. Ich hätte heulen mögen. Ich hatte im Urlaub alles gründlich im Kopf weggepackt, unmöglich alles im Detail zu rekapitulieren und neu zu erstellen. Abgesehen von der fehlenden Zeit. Jede Minute ist ausgeplant. In Nachtschichten versuchen das Nötigste wieder auf Papier zu bringen, nach 12 Stunden Arbeit? Völliger Stress am ersten Arbeitstag. So habe ich mir meinen Arbeitsbeginn nicht vorgestellt.
Es hat mich gewurmt. So eine Fehlleistung! Nicht wirklich eine Katastrophe im Vergleich der Weltkatastrophen, aber für mich eine Alltagskatastrophe. Es ist wie wenn der Pfarrer auf der Kanzel steht und seine Predigt nicht mehr findet. So bin ich zu meinem Team und habe ihm eröffnet, dass durch meine Dusseligkeit leider alles weg ist, was wir vor meinem Urlaub gemeinsam erarbeitet haben. Wie peinlich. Die werden sich ihre Gedanken gemacht haben. Aber: Never give up.
Plötzlich schießt es mir durch den Kopf: Was tust du, wenn du sehr bedrängt bist? Du betest. So habe ich gebetet, vor meinem Computer, in meinem Büro, in dem ich nicht alleine bin, mitten im Trubel des Berufsalltags, habe mein Auge vom Bildschirm weg nach innen gerichtet:
Lieber Gott, ich brauche dich, so höre mich.
Gib mir die rettende Idee!
Du hilfst, wenn ich dich brauche.
Du siehst meinen Stress und meine Panik,
sieh auf dieses Häuflein Verzweiflung.
Du weißt, ich vertraue auf dich,
ich bitte dich, hilf!
Gib mir die rettende Idee!
Du hilfst, wenn ich dich brauche.
Du siehst meinen Stress und meine Panik,
sieh auf dieses Häuflein Verzweiflung.
Du weißt, ich vertraue auf dich,
ich bitte dich, hilf!
Und die Idee war da. Ich war in Frankreich. Ruf doch mal die Mitarbeiterin an, die in Deutschland ist. Wenn ich es recht erinnere, hat sie etwas zugearbeitet. Gesagt, getan. Natürlich habe ich ihr von dem Missgschick erzählt. Sie hat sich auf die Suche gemacht und siehe: Sie hat die letzte Version auf einem Laufwerk gefunden! Ich konnte es nicht fassen.
Lieber Gott, du hast mir tatsächlich die rettende Idee gegeben!
Heile du mich, Herr, so werde ich heil,
hilf du mir, so ist mir geholfen.
Heile du mich, Herr, so werde ich heil,
hilf du mir, so ist mir geholfen.
Und wieder hätte ich heulen mögen, diesmal vor Dankbarkeit. Dass Gott sich bei mir in Erinnerung gebracht hat, jetzt, wo ich ihn brauche, an einem Ort und in einer Situation, in der wir in der Regel blind und taub für ihn sind. Angesichts seiner Wirksamkeit und seiner Präsenz in meinem Hier und Jetzt, in meinem einfachen, profanen Alltag, mit meinen banalen, eigentlich völlig unwichtigen Alltagssorgen. Ich weiß, ich bin absolut sicher, er ist da, er hört mich, er hilft. Ich muss ihn nur zu Gehör kommen lassen, meinen Lärm nur für eine Minute abstellen und anstatt mit mir selbst mit ihm reden. Er hat es mir bestätigt. Wie lehrreich und wie bekräftigend ist diese Alltags-Gottes-Erfahrung für mich. Never give up! Setz auf den, der dich allein retten kann!
Rettungspfahl
