Stärkbier

Lieber Luther,
morgen ist Epiphanias. Was soll das eigentlich sein, Epiphanias? Ich bin theologisch weder gebildet noch verbildet, also kann ich mich das durchaus fragen. Soweit ich mich erinnere, hat mir das noch niemand erklärt.
Erste Anlaufstelle ist heutzutage Wiki. Man sieht auf den ersten Blick, dass es nicht so einfach ist mit Epiphanias. Ein ziemliches Kuddelmuddel. Ich will nun nicht alles wiederholen, was da steht, das kannst Du selbst nachlesen.
„Heilig Drei König“, damit kann ich etwas anfangen, aber Epiphanias? Gähnende Leere, kein Echo in mir. Wenn ich auf die Straße gehen würde und Leute fragen, was denn bitte Epiphanias sei, es würde ihnen wahrscheinlich so gehen wie mir.
Johannes Tauler predigt zu Epiphanias, die Seele, erkenne wohl Gott, „sogar mit dem natürlichen Licht der Vernunft, aber wer er ist oder wo, das ist ihr gänzlich unbekannt und verborgen, und davon weiß sie gar nichts“.
Gott ist für einen Menschen zu hoch, er ist nicht von ihm zu verstehen. Damit gibt sich die Seele natürlich nicht zufrieden, sie strebt danach, hinter das Nichtverstehbare zu kommen. Was sie erreichen kann, ist ein Blick auf den Abglanz:
„In diesem aufmerksamen Bemühen geht ihr ein Stern auf, ein Schein und Glanz göttlicher Gnade, ein göttliches Licht; sieh, dieser, spricht das Licht, ist jetzt geboren, und weist die Seele auf den Ort der Geburt (Gottes) hin. Denn dahin, wo er ist, kann kein natürliches Licht hinführen.“
Oder, wie es bei Jesaja 60, 1 heißt: „Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir“.
Tu was Mensch, erwache aus deiner Lethargie, ohne deinen Willen geht es nicht, mache es wie die drei Könige, zieh diesem Licht in deiner Seele nach bis du bei dem Kind angekommen bist, das ist wenn Gott seine Gnade über dich ausschüttet.
Epiphanias hat etwas mit Aufbruch zu tun. Ein dreifaches Aufbrechen. Breche auf und mach dich auf dem Weg zum LIcht. Der Himmel bricht auf, Gottes Wort und Heiliger Geist bringen uns den inneren und äußeren Aufbruch. Jesus macht sich wieder einmal auf, um uns, angefangen in Kanaan, das Wort  aufzubrechen. Aufbrechende Dreifaltigkeit.
Epiphanias soll uns aus unserer Weihnachtsseligkeit wecken und uns erinnern, dass wir nun am Zug sind, uns aufbrechen lassen: „Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen“, alle Voraussetzungen sind geschaffen, es liegt an uns. Aus mit Feiern, ein langer Weg liegt vor uns, Arbeit ist angesagt, der Alltag hat uns wieder. Auf zum nächsten Weihnachten. 
Lieber Luther, du schaust dem Volk gern aufs Maul. Tief in der Seele des Menschen verborgen sind noch Wahrheiten, für die keiner mehr so richtig den Grund kennt, aber sie sind noch vorhanden.
„Die Stärk antrinken“, ein Brauch im Oberfränkischen am Vorabend zum 06. Januar. Um sich gegen die Widrigkeiten des kommenden Jahres zu wappnen, für die Arbeit und den Alltag nach all dem Feiern. Ein schöner Brauch, ein schönes Bild.
Ich will gleich in den Keller gehen und schauen, ob ich ein Starkbier finde. Bei Dir ist das sicher kein Problem, Deine Katharina hat Dir sicher eines gebraut. Nehm einen guten Schluck!
Herzliche Grüße
Deborrah

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