Am Ende der Zeit

Lieber Luther,
Lasten tragen wir nicht gerne. Göttliche Lasten schon gleich gar nicht. Am Ende der Zeit sehen wir lieber Gottes Liebe, nicht Gottes Gericht. Das wollen wir am liebsten weg argumentieren. Ich habe das schon öfter zum Thema gemacht. Nichtsdestotrotz wende ich mich heute einem weiteren undankbaren Thema zu, das damit im Zusammenhang steht: Sind wir vor Gott alle gleich, egal, ob wir glauben oder nicht, egal, ob wir uns in Jesu Nachfolge versuchen oder völlig gottlos leben? Macht das am Ende einen Unterschied aus?
Jesus hat versucht, uns über das Ende der Zeit viel zu erklären. Es ist etwas, das jeden von uns angeht. Jeder Einzelne von uns muss da durch und hin. Deshalb war ihm das wichtig, damit jeder eine Chance hat zu verstehen, auf was es am Ende hinausläuft, wenn sich jemand auf ihn einlässt oder eben nicht. Im nüchternen und schnörkellosen Matthäusevangelium ist hierzu Gleichnis an Gleichnis gereiht. Die Botschaft ist eindeutig, Jesus wiederholt das gebetsmühlenhaft in verschiedenen Gleichnissen: Am Ende wird eingeteilt und zugeteilt werden (Mt 24,32 – 25).
Das Ein- und Zuteilen ist bereits ein Zugeständnis, das uns gewährt wird, entstanden aus dem Bund, den Gott mit Noah schließt. Gott hat bereits am Anfang der Zeit die Menschen wegen ihrer Gottlosigkeit verdammt. Ausnahme war der gottesfürchtige Noah und er hat mit ihm den Bund geschlossen, dass er nie wieder aus seinem Zorn heraus die gesamte Menschheit verdammen werde (1.Mose 9,15). Dem folgend, so Jesus, werde es der Menschensohn machen: Zwei sind auf dem Feld, einer wird genommen, einer wird gelassen, zwei Frauen mahlen auf einem Mühlstein, eine wird genommen, eine wird gelassen Deshalb: Wacht, denn ihr wisst nicht den Tag, an welchem der Herr kommen wird. Seid bereit. Er kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwarten würdet, es kann auch mitten in der Nacht und in der Finsternis sein (Mt 24, 40-44). Wie das zu verstehen ist, erklärt er in drei aufeinanderfolgenden Gleichnissen, die alle die gleiche Botschaft haben:
In den Gleichnissen vom treuen und untreuen Knecht, von den klugen und törichten Jungfrauen und von den tüchtigen und untüchtigen Knechten (Mt 24, 45 – 25,1-30). Der treue Knecht gibt der Dienerschaft Speise zur rechten Zeit, die klugen Jungfrauen haben auch für die Zeit der Finsternis und Dunkelheit vorgesorgt und an einen Ölvorrat gedacht, damit das Licht auch in der Dunkelheit den Weg zu Gott leuchtet, und die tüchtigen Knechte verdoppeln, was Gott ihnen, unterschiedlich nach dem jeweiligen Vermögen, gegeben hat. Es ist von Gottes Gaben die Rede, von Gottes Wort, vom Auftrag, den Gott jeweils gegeben hat, und mit dem jeweils persönlichen Umgang damit. Die Treuen, Klugen und Tüchtigen hören auf Gott, auch wenn es lange dauert, bis er sich zeigt, lange Zeiten durchzustehen sind. Seid achtsam, wachet, seid bereit, ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, um zu sehen, was ihr aus dem, was er euch gegeben hat, gemacht habt. Wahrlich ich sage euch, sagt Jesus, diese Knechte werden über die ganze Habe des Hausherrn gesetzt werden und in seine Freude eingehen.
Was passiert mit dem bösen Knecht, den törichten Jungfrauen und dem faulen Knecht? Der Heuchler wird aufgeschlossen und gereinigt werden, die törichten Jungfrauen bleiben vor der Tür und der unnütze Knecht wird in die Finsternis geworfen. Auch hier differenziert Jesus, jeder in der Gruppe wird nach dem Grad seines Unvermögens betrachtet. Weinen und Zähneklappern bei diesem Teil der Menschheit. In dieser Deutlichkeit hat Jesus das angekündigt. Das „Wahrlich, ich sage euch“ verweist auf den Ernst dieser Wahrheit.
Wahrlich, ich sage euch das, meine Wahrheit, nicht eure, nehmt es als Warnung, ihr könnt entscheiden, zu welchem Teil ihr gehören möchtet, ihr alle habt die gleichen Chancen, aus dem, was ich euch gegeben habe, etwas zu machen oder nicht. Ich betrachte differenziert, nach eurem Vermögen und Unvermögen. Von dem, der wenig vermag, erwarte ich nur, was er vermag. Wer aber sein eigenes Süppchen kocht, für den wird es kein Pardon geben. Und er warnt vor Anmaßung: Du willst gewusst haben, dass ich ein hartherziger König bin, der erntet, wo er nicht gesät hat, der sammelt, wo er nicht ausgestreut hat? Selbst wenn du selbst eingeredete Angst vor mir hattest, erwarte ich, dass das, was ich dir gegeben habe, zumindest Zins bringt. Du kannst, was du hast, weitergeben, dass andere es für dich vermehren können. Nur mein Habe nehmen und nicht vermehren, werde ich nicht akzeptieren, diesen Wechsel gehe ich nicht ein. Wenn ich dir gebe sollst auch du geben.
Denn, wer da hat, dem wird gegeben werden und er wird die Fülle haben, wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Jesus sagt damit: Wer mir nachfolgt, mein Wort hört und glaubt, der mein Wort weiterträgt, der wird das ewige Leben haben, wer mir aber nicht nachfolgt, mein Wort in den Wind schlägt und denkt, das sei alles Unsinn, der wird durch das reinigende und läuternde Feuer gehen.
Denn ich bin hungrig nach euch, mich dürstet nach eurer Zuneigung, ich würde gerne in euch wohnen, ich kranke an eurer Nichtbeachtung, bin gefangen in euch und kann nicht wirken durch euch. Wenn ihr mich nicht seht, speist die Hungrigen, gebt den Durstigen zu trinken, öffnet eure Türen, deckt die Blöße des Nackten zu, pflegt die Kranken, besucht die Gefangenen. Seid nicht faul und selbstgerecht. Wahrlich ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem dieser Bedürftigen, das habt ihr mir auch nicht getan. Ihr habt genug Gelegenheiten. Mein Wort ist Seelennahrung, predigt es, aus meiner Quelle trinken die Durstigen, öffnet eure Herzenstüren, habt Mitleid und seid barmherzig in meinem Namen und meinem Geiste. Jeder nach seinem Vermögen, nur Nichtstun ist nicht in meinem Geiste. Die Untreuen, Faulen und Dummen, die nicht beachten, was ich sage, werden am Ende durch das reinigende Gericht gehen müssen. Der HERR, Jesus Christus, wird richten und wird es richten, er wird läutern und heil machen. Wenn dieses Werk vollendet ist, wird Gottes ganzes Volk gesammelt sein und in die Ewigkeit Gottes eingegangen sein. Vorher wird er nicht ruhen.
Lieber Luther, bis das der Fall ist, kann es dauern. Aber er schärft uns ein: Wachet, bleibt achtsam, auch wenn es dauert, schlaft nicht ein, auch wenn es finster um euch ist, sonst verschlaft ihr mich noch, lasst euch von der Dunkelheit nicht blenden, baut vor, damit ihr auch die Dunkelheit übersteht. Möglichkeiten, wach zu bleiben, hat Jesus genug aufgezeigt. Wenn man ernst nimmt, was Jesus uns mit auf den Weg gibt, braucht einem nicht bange sein vor dem Augenblick, wenn wir vor ihm stehen werden. Wir haben so viele Möglichkeiten, Jesus gibt uns so viele Chancen. Wer sie nicht nimmt, ist tatsächlich so dumm, wie in den Gleichnissen beschrieben, und selbst dafür verantwortlich.
Angst braucht tatsächlich niemand zu haben, er denke an den untüchtigen Knecht und die falschen Voraussetzungen, von denen dieser aus eigener falscher Einsicht ausgegangen ist, weil er dachte, er müsse über den HERRN (fehl-)urteilen. Jesus wollte uns in der Hinsicht belehren. Was er von uns fordert, ist für jeden, der will, machbar, es ist ein Minimalkatalog, der von jedem zu erreichen ist. Und wenn nicht, kann man das nicht Jesus oder Gott in die Schuhe schieben. Das verantwortet jeder im Jetzt und dann selbst. Über„Sünde“ verliert Jesus hier übrigens kein Wort. Ich denke, lieber Luther, dich brauche ich nicht aufwecken.
Herzliche Grüße
Deborrah

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