Vaterunser (7) – Schulden (3)

Lieber Luther,

seit ein paar Wochen und Blogs schon beschäftige ich mich mit dem Vaterunser und bin hängengeblieben beim:

Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Das Thema ist voller Missverständnisse. Seit wir von Gott wissen, vergibt er uns unsere Missetaten. Bis auf Jesus hat jeder Grund zu sagen: Vater, vergib mir meine Schuld. Zu sehr lassen wir uns ablenken und unsere Aufmerksamkeit von Gott weglenken, denken in unseren rein menschlichen Kategorien, die für Jesus eine Kategorie ohne Bedeutung war. Jesus ist voll auf Gott fokussiert. Jesus dreht die Sichtrichtung wieder um. Er predigt, man muss Vater und Mutter verlassen, Jedermann auf Erden, und zum Vater, zum Lebensspender zurückkehren. Mit Jesus schließt sich der Kreis, ist die Richtung zum Leben wieder in ihren Ursprung zurückgedreht, im Wort und im Tun. Jesus ist der Wendepunkt, der uns wieder auf Gott zurückverweist, uns neu verpflichtet, im neuen Bund.

Und vergib uns unsere Schuld. Allzugern hätten wir, dass Gott uns vergibt, was immer wir tun. Lehrt Jesus dies? Was vergibt Gott? Was ist das Essentielle, das es dabei zu verstehen gibt?

Erzählt wird in Lk 7, 36-39 (Mt 26, 7-13; Mk 14, 3-9; Joh 12, 3-9) von der „Sünderin“, d.h. von einer, die das Ziel – Gott – bisher verfehlt hat. Jesus weilt im Haus eines Pharisäers und liegt da zu Tisch, wie es in besseren Kreisen, nach römischer Sitte, üblich war. Die Frau hatte sich ganz auf Jesus ausgerichtet. Er war ihr Ziel, um ihn zu erreichen durchbrach sie alle Schranken, ging einfach zu Jesus hin, inmitten dieser Männerrunde. Sie hatte alles, was sie hatte, in sehr teures wohlriechendes Salböl, Nardenöl, investiert. Es kostete etwa den Jahreslohn eines Arbeiters. Sie kniete sich zu seinen Füßen nieder, weinend, sich ihrer ganzen Unzulänglichkeit und Verlorenheit bewusst, ließ ihre Tränen, das Salz ihres Schmerzes, ungehemmt auf seine Füße rinnen, als habe sich eine Schleuse geöffnet. Sie badete Jesu Füße in ihren Tränen der inneren Not, trocknete sie mit ihrem Haar und küsste sie zärtlich, ihr ganzes Inneres aufbietend. Dann salbte sie seine Füße mit kostbarem Salböl, zum äußeren Zeichen, auf wen sie ihre ganze Hoffnung und ihr völliges Vertrauen geworfen hat.

Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk; alles hast du unter seine Füße getan (Ps 8, 7). Still, versunken, ohne ein Wort zu sagen, ohne für sich zu bitten. Jedes Wort zu viel, er sieht in jedes Herz.

Die Frau hat Jesus angerührt, aber nicht seinen Gastgeber. Ein „Wie kann er nur“, lag auf seinem Gesicht. Wenn dieser ein Vorher-Sager wäre, würde er erkennen, was das für eine Frau ist, wieso sie seine Füße küsst. Die Verachtung lag in seinen Zügen. Wie kann er sich nur von so einer anfassen lassen. Jesus bleibt diese Reaktion nicht verborgen und so antwortet er mit einem Bild:

Wenn einer zwei Schuldner hat, der eine schuldet ihm 500 Groschen, der andere 50. Beide können die Schuld nicht begleichen, so schenkt der Gläubiger beiden den Schuldbetrag. Wer von den beiden, fragt Jesus, wird den Gläubiger am meisten lieben? Derjenige, sagt der Pharisäer, dem er am meisten geschenkt hat. Ebenso ist es mit der Frau, sagt Jesus:

Als ich in dein Haus kam, hast du mir Wasser für meine Füße gegeben? Diese Frau hat meine Füße mit ihren Tränen unter Wasser gesetzt und sie dann mit ihrem Haar getrocknet. Hast du mir einen Bruderkuss gegeben, als ich kam? Diese Frau küsst meine Füße unablässig, seit ich hier bin. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt, sie aber meine Füße mit unverfälschtem, echten, wohlriechendem Salböl. Deshalb sage ich: Ihre Verfehlungen sind ihr vergeben, denn Sie hat mir viel Liebe entgegen gebracht, sie hat alles, was sie hat, ihre ganze Liebe mir gegeben. Wieviel Liebe aber habe ich von dir bekommen? Sie hat mir, um im Bild zu bleiben, für 500 Groschen Liebe entgegengebracht, du aber höchstens für 50:

Wer mich, und in mir den himmlischen Vater, viel liebt, dem wird viel vergeben, wem aber wenig vergeben wird, der liebt mich und ihn, im Umkehrschluss, wenig. Und zu der Frau sagte er: Dein Glaube hat dich gerettet.

Wer Jesus, und mit ihm Gott, den Vater, wenig liebt, dem wird wenig vergeben, wer ihn aber viel liebt, dem wird viel vergeben. Das heißt also: Mensch, du musst etwas dazu tun. Du hast das Maß deiner Vergebung in der eigenen Hand. Schuldner im Glauben seid ihr alle, aber, der eine mehr und der andere weniger. Jesus, Gott wiegt am Ende ab.

Jesus sagt, wenn ihr betet, so vergebt den anderen Menschen ihre Fehler, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber nicht vergebt, wird euch euer Vater, der im Himmel ist, auch nicht vergeben. Diese Botschaft gehört zum richtigen Beten und steht gleich im Anschluss an den Text des Vaterunsers (Mt 6, 14-15.). Bevor du dich mir zuwendest, wende dich demjenigen zu, dem du etwas zu vergeben hast (Mt 23, 23-24). Das ist der Teil, den ihr tun könnt und müsst.

Wer Sünde tut, ist der Sünde Knecht. Der Knecht bleibt aber nicht ewig im Haus, der Sohn wohl. Deshalb überlegt euch, wem ihr anhängt. Folgt nicht den Missetaten, folgt meinem Wort. Ich mache euch frei, meinem Wort zu folgen, ihr seid in Wahrheit frei, mir zu folgen (Joh 8, 34-36). Es ist eure Entscheidung, euer Wille.

Jesus lehrt, was schon in der Alten Schrift gelehrt wurde: Es wird den Gottlosen ein schreckliches Ungewitter auf den Kopf fallen (Jer 30, 23). Denen aber, die nach ihres Herzens Abgründen und Missetaten wandeln, will ich ihr Tun auf ihren Kopf werfen, spricht der Herr HERR (Hes 11, 21). Ihre Frevel werden auf ihre Scheitel fallen (Ps 7, 17). Das steht sehr häufig im Alten Testament.

Das ist schon am Anfang der Schrift erklärt: Wer Kain schlägt, wird 7mal gerächt, wer aber den Überwinder schlägt, 77mal. Jesus nimmt dieses Wort wieder auf.

Petrus fragt Jesus, wie oft man einem Bruder, der sich an einem versündigt, vergeben muss. Nicht 7mal, sagt Jesus, sondern 70 x 7 mal. Und wieder erklärt er, was er mit Schuld meint, mit Schulden. Ein Schuldner hatte 10.000 Pfund Schulden. Der König (= Gläubiger) verlangte von ihm, sich mit Frau und Kind in seine Knechtschaft zu verkaufen, damit er bezahlen könne. Der Gläubiger kniete nieder, betete den König an und bat um Geduld: Ich bezahle schon noch. Da hatte der König Mitleid und entließ ihn aus der Knechtschaft. Und was tat der Schuldner dann? Er hatte auch einen Schuldner, der ihm nur 100 Groschen schuldete. Dieser bat ihn ebenso, hab Geduld, ich will schon noch zahlen. Er ließ sich aber nicht von der Not des Schuldners berühren und warf seinen Schuldner ins Schuldengefängnis. Da wurde sein Herr sehr zornig und bestellte ihn zum Rapport: Mich bittest du, dir die Schulden zu erlassen, aber mit deinem Mitknecht hast du kein Erbarmen? So überantwortete er ihn dem Gericht, bis er alles bezahlt hat: Also wird euch mein himmlischer Vater auch tun, so ihr nicht vergebt von eurem Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehler (Mt 18, 21-35).

WIE AUCH WIR vergeben unsern Schuldigern. Es kommt auf das WIE WIR an, das steht nicht umsonst im Vaterunser und ist folglich auch so zu lesen: Wie wir unseren Gläubigern ihre Schulden erlassen, so wird Gott uns auch unsere Schulden erlassen. Für unsere Menschenhändel sind wir aber selbst zuständig, nicht Gott. Bei Gott kommt es nur auf unsere Schulden ihm gegenüber an (Mt 18, 15-18):

Was ihr auf Erden bindet, das soll auch im Himmel gebunden sein, was ihr auf Erden löst, soll auch im Himmel los sein. Das heißt: Sündigt ein Bruder an dir, dann löse das auf Erden auf, schleif es nicht zu mir hinauf. Führe ihn auf den richtigen Weg. Wenn es dir gelingt, hast du einen Bruder gewonnen. Wenn er nicht hört, mach einen weiteren Versuch, zieh weitere Berufene hinzu, vielleicht gelingt es ihnen, ihn auf den rechten Weg zu bringen. Wenn er weiterhin auf seinem Irrweg beharrt, so behandle ihn wie einen Gottlosen. Wenn ihr es nicht auf Erden schafft, auf den rechten Weg zu kommen, dann habt ihr diese Last noch auf eurem Rücken, wenn ihr dereinst vor mir erscheint. Die Schuld, die ihr auf Erden auf euch bindet und nicht löst, wird auch im Himmel noch auf euch gebunden sein.

Das Gebot der Nächstenliebe (Mt 22, 34-40) heißt also nicht, heiße alles, was dein Nächster tut, gut. Es heißt das Gegenteil. Es heißt, versuche alles, um deinen Nächsten zu Gott zu bringen, das allein zählt. Das vornehmste Gebot ist: Du sollst lieben Gott, deinen HERRN, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Das andere aber ist dem GLEICH: Du sollst deinen Nächsten lieben WIE dich selbst. In diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz „und die Propheten“. Es ist eine analoge Gleichung zum Vaterunser. Es gilt Gott zu lieben, von ganzem Herzen und mit ganzer Seele. Wie ich alles tue, Gottes Wort, Jesu Wort, zu folgen, so soll ich auch alles tun, damit mein Nächster Gott folgt. Wie Jesus das mit dem sündigen Bruder erklärt hat. Das Gebot der Nächstenliebe ist dem Gebot der Gottesliebe GLEICH. Es sagt ein und dasselbe aus. Es geht rein um die Gottesliebe, in keinerlei Sinn um die Liebe unter Menschen. Das ist ein völliges Missverstehen dessen, was Jesus lehrt, was vor Gott zählt.

Lieber Luther, der Mensch denkt immer von sich aus, denkt, er sei der Kosmos, um den sich alles dreht. Jesus hat die Sichtweise verrückt, der Mensch, die Lehre, verrückt Jesu Lehre, wieder weg von Gott, hin zum Menschen, vermenschlicht das Göttliche, damit er im Zentrum bleiben kann. Er macht sich damit zum Abgott, und seine Religion zur Abgötterei. So klar muss man das sehen.

Herzliche Grüße
Deborrah

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