Mir ist mittlerweile eingefallen, wie dem scheuen Huhn zu helfen ist, damit es nicht verhungert. Auch Hühner scheinen sich an Nähe gewöhnen zu können.
Bei meinem sonntäglichen Kirchgang komme ich immer an einem eingezäunten Garten mit einem kleinen Häuschen vorbei. Der Garten ist winzig und hat ausgetretene Wege. Er gehört einem alten Ehepaar. Es ist nicht reich. Alles sieht sehr bescheiden aus, schmucklos, aber nicht heruntergekommen.
Das alte Ehepaar hat zwei Hühner. Bei Wind und Wetter ist es, dick eingemummelt und mit Kapuze auf dem Kopf, im Garten unterwegs und spricht beruhigend mit seinen zwei Hühnern. Oft hat jeder ein Huhn im Arm, streichelt es liebevoll und wandert stundenlang mit ihm ohne Hast, ruhig und bedächtig den ausgetretenen Rundweg im Garten entlang.
Es ist ein sehr anrührendes Bild, in welcher Eintracht und welchem Gleichklang die Zwei Tag für Tag dieses Liebeswerk an den zwei Hühnern und aneinander vollbringen. Sie leben in einem eigenen Kosmos und ihre Liebe und Ruhe strahlt auf die Hühner aus und gibt ihnen Vertrauen.
Ich wage kaum hinzuschauen, um sie nicht zu stören. Wenn ich die Zwei spazieren sehe, außerhalb ihres Gartens, laufen sie genauso bedächtig, harmonisch nebeneinander, als ob in ihnen die gleiche Melodie erklingt.
Manche sagen wohl, die haben einen an der Klatsche. Ich denke das nicht. Sooft ich an diesem Gleichklang vorbeigehe, könnte ich fast weinen, so sehr berührt es mich. Ich finde nicht die richtigen Worte, um zu beschreiben, was ich da sehe. Ein Stück klingende, bescheidene, zufriedene Harmonie in Gottes Schöpfung, die bis zum Kirchgänger ausstrahlt. Ein Pflänzlein im Verborgenen. Wahrscheinlich ist es Gottes Strahlen, von dem ich am Vorübergehen auch noch etwas abbekomme.
