Eigentlich wollte ich heute einen „Straßentag“ einlegen, schauen, wie sich der Kirchentag unorganisiert auf der Straße zeigt.
Angefangen habe ich den Tag wieder in St. Jacobi mit dem Mittagsgebet. Irgendwie habe ich mich mit der Kirche angefreundet. Ein Schweizer Pilgerpfarrer hatte Dienst. Sein Impuls hatte den Schwerpunkt auf Meditation. Ein gutes Mittagsgebet, ein guter Anfang.
Weiter ging es mit gemeinsamem Singen auf dem Rathausplatz. Viele Menschen, nicht so viele Sänger. An manchen Stellen gab es „Frauenchornester“. Ohne sie hätte es mau ausgesehen mit dem Singen.
Danach ökumenische Eucharistiefeier nach der Liturgie von Lima (was immer das ist) unter alt-katholischer, anglikanischer und evangelischer Beteiligung in St. Petri. Die Kirche war völlig überfüllt. Ich hatte mich erst entschlossen dort hinzugehen, als ich den Glocken nicht widerstehen konnte. Im letzten Eck der Kirche ist es auch wichtig, Liturgie und Gesang aufrechtzuerhalten. Glaubensbekenntnis: Wir glauben an die heilige katholische und apostolische Kirche, auf „christlich“ konnte man sich wohl nicht einigen.
Die Predigt von Annette Kurschus war hörenswert, es ging um die Bedeutung des Abendmahls. Sie hat versucht, die Angst vor dem Abendmahl zu nehmen. Trotzdem verließen viele Menschen die Kirche als es dann soweit war.
Anschließend wieder zu St. Jacobi zum Konzert für Blechbläser, Orgel und Pauken: „Himmlisch Manna – Notwendiges“. Es geriet etwas zu lang und der Schlussapplaus brandete schon auf, als das Konzert noch gar nicht zu Ende war, was Viele nicht davon abhielt, dennoch zu gehen.
Anschließend Abendgebet. Einer der Hauspastoren von St. Jacobi referierte über die Musik und den Abschiedsblues angesichts des nahmen Endes des Kirchentages. Und der Aussicht, dass die Kirchen danach nicht wieder wegen Überfüllung schließen müssten, sondern der kirchliche Alltag wieder eintrete, mit sehr lichten Reihen. Ich befürchte, er hat recht.
Seine Werbung für das Abendkonzert war so wirkungsvoll, dass ich entgegen meiner Planungen noch geblieben bin und es hat sich gelohnt. Vor und in der Kirche nette Begegnungen und Gespräche. Neben mir ausnahmsweise ein kontaktfreudiger Mann mit Sohn, das kannte ich bisher auf dem Kirchentag nur von Frauen.
Das Konzert „Corssover – Chormusik des 20. Jahrhunderts“ unter Leitung von Rudolf Kelber (der Herr über die Orgel, ich habe gestern schon über ihn berichtet): Britten, Schönberg und Alain, aber auch Rudolf Kelber mit: „Missa super cantus Lennonenses McCartnesque“. Der Mann hat Humor, das habe ich gestern schon bemerkt, und hat an sich schon Unterhaltungswert.
Nach der Pause geht es modern weiter, mit Jazz und Blues, u.a. Duke Ellington „Sacred Concert“. All das begleitet auf der altehrwürdigen Orgel, sehr schön und kurzweilig, wenn ich auch den Eindruck hatte, dass uns das Kreuz am Ende den Rücken zugedreht hat.
Wenn ich den Tag so Revue passieren lasse, ist es glaube ich kein richtiger „Straßentag“ geworden, sondern ein weiterer Kirchentag im wahrsten Sinne des Wortes.
Das war’s. Der Kirchentag ist für mich zu Ende. Auf die Massenveranstaltung Abschlussgottesdienst habe ich absolut keine Lust. Ich will mir nicht die Erinnerung an die letzten 2 Tage Kirchentage noch verderben.
Oder: Vielleicht war es das doch noch nicht so ganz. Ich glaube ich muss morgen wieder einmal meinem Freund Luther schreiben …
Kirchentags-Höhenflüge
