Vaterunser (4) – Unser täglich Brot gib uns heute

Lieber Luther,

essen muss man jeden Tag. Es fragt sich nur was. Die einen ernähren sich gut, die anderen ungesund, die einen reichlich, die anderen bewusst. Beim Essen scheiden sich die Geister. Heute, Teil 4 der kleinen Vaterunser Reihe. Es geht um das Brot:

Unser täglich Brot gib uns heute.

Ganz oberflächlich und menschlich leiblich gedacht heißt das: Lieber Gott sorge du dafür, dass ich etwas zu beißen zwischen den Zähnen habe. Ist das so einfach gemeint?

Jesus ist 40 Tage in der Wüste, um dort mit Gott in Berührung zu kommen. Nach 40 Tagen heißt es, hungert ihn. Der Verführer packt den Menschen an der zutiefst menschlichen Seite und denkt, er kann Jesus, wie weiland Esau, beim leeren Magen packen. Wenn du Gottes Sohn bist, dann wandle die Steine in Brot, damit du deinen Hunger stillen kannst. Was entgegnet Jesus: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht (Mt 4, 4).

Brot und Wein waren von Anbeginn der Schrift die Bilder für die Gegenwart Gottes. Melchisedek, der König von Salem und Priester Gottes des Höchsten, trägt Abraham Brot und Wein entgegen und segnet ihn: Gesegnet seist du , Abram, dem höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat und gelobt sei Gott der Höchste, der deine Feinde in deine Hand beschlossen hat (1.Mose 14, 18-19). Psalm 110: Der HERR sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege. … Der HERR hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks. Ein Zusammenhang ist unmittelbar vorhanden.

Das aus Ägypten ausziehende Volk hat gehungert, rebelliert und von Mose Nahrung gefordert. Mose hatte nichts zu geben. Man hu? (Das heißt: was ist das?). Mose antwortet: Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat (2.Mose 16, 15). Gott hat ihnen das „Was ist das?“ geschickt, obwohl sie rebellierten. Mose durfte nicht in das gelobte Land, weil er sich vom Hunger und Durst des Volkes verführen ließ und mit seinem Stab gegen den Felsen schlug, sich dem sozialen Druck gebeugt hat und Gott als Mittel zum Zweck eingesetzt hat. Er hat nicht voll auf Gott vertraut.

Was sagt uns die Geschichte? Und gedenke all des Weges, durch den dich der HERR, dein Gott, geleitet hat, diese 40 Jahre (Jesus: 40 Tage!) in der Wüste. Damit kund würde, was in deinem Herzen ist, ob du das Wort Gottes halten wirst, auch in der Not. Er prüfte deine Demut, ließ dich hungern und speiste dich mit Man, dass du und deine Väter nie gekannt hattet; auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem MUND des HERRN geht (5.Mose 8, 2-3). Aber: das Volk war nicht demütig, es war zügellos und voller Begierde. Entsprechend ihrer Zügellosigkeit und Begierde übersäte Gott den Boden mit Himmelsbrot. Und wieder jammerte das Volk: Nun aber ist unsere Seele matt; denn unsere Augen sehen nichts als das Man. Mose ruft verzweifelt zu Gott: Warum finde ich keine Gnade vor dir, warum muss ich die Last dieses Volkes tragen? (4.Mose 11, 5-11).

Mose war die Last zu schwer, oft zu schwer. Jesus niemals: Mein Joch ist leicht. Das Manna schickte Gott solange, bis sein Volk seinen Fuß in das gelobte Land setzte. Sie aßen am Tag nach dem Passah vom Getreide des Landes, das ihnen gegeben war, nämlich ungesäuertes Brot und geröstete Körner. Und das Man hörte auf des andern Tages, da sie des Landes Getreide aßen (Jos 5, 11-12).

Josua, hat Gottes erwähltes Volk in das verheißene Land gebracht. Josua-Jesus (Jesus heißt auf Hebräisch Josua), führt uns in das verheißene Land. Gottes Volk zog 40 Jahre durch die Wüste, Jesu hungerte 40 Tage in der Wüste. Alter Wein in neuen Schläuchen. Jesus greift die Botschaft aus der Alten Schrift, die Bilder, wieder auf, die Parallelen sind unübersehbar. Aber, er setzt eine neue Botschaft dahinter. Jesus ist Demut, er ist 100% Demut: Er widersteht dem Versucher, als er hungert. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Was das wandernde Volk nicht geschafft hat, wo Mose gefehlt hat, ihm die Demut ausgegangen ist, weil seine Langmut vom Volk zu sehr strapaziert wurde: Jesus widersteht dem Versucher, verbildlicht im Hunger. Es versucht Gott nicht, indem er ihn bittet den Stein zu Brot zu machen. Mose hat dagegen mit dem Stab gegen den Felsen gehauen.

Das zeigt sich auch bei der Speisung der 5000. Auch hier eine hungrige Menschenmenge. Jesus vermittelt eine neue Botschaft in den alten Bildern: Alle werden satt, aber nicht übersatt. Während in der Manna-Geschichte ein strenges Verbot galt, das Manna einzusammeln, sagt Jesus: Sammelt die übrigen Brocken, dass nichts umkommt. Von den 2 Fischen und 5 Gerstenbroten wurden 5000 Menschen satt, und von den übrigen Brocken wurden noch 12 Körbe gefüllt. Aber das ist nicht das Entscheidende. Es sind nur Zeichen. Ich habe über die Geschichte in der Version von Joh 6 schon einmal geschrieben, das brauche ich hier nicht alles wiederholen.

Die Kernbotschaft ist: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Ich habe nur das, was mir mein Vater gibt. Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen des, der mich gesandt hat (Joh 6, 35-38). Genau deshalb beten wir: Vater unser im Himmel, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. In seiner Brotrede wiederholt er dieses zentrale Kernstück seines Seins.

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist, wer mich isst, gewinnt das ewige Leben. Wer mich isst heißt: Ich bin der Wille Gottes als Mensch, ich setze mich mit meiner ganzen Person ein für das Wort Gottes, ich rücke keinen Millimeter davon ab, denn es geht um euer ewiges Leben. Wie immer sie mich bedrohen. Ich setzte MEIN ganzes LEBEN ein für das LEBEN der Welt. Jesus sagt NICHT mein Tod für die Sünden der Welt, er sagt ich setze mein Leben für das Leben der Welt ein. Ich lebe für das Leben der Welt.

Leben ist Leben. Seines und unseres. Sein Leben ist unser Leben, nicht sein Tod ist unser Leben. Das steht nicht da. Wären hier die Sünden gemeint: Ich gebe mein Fleisch für die Sünden der Welt: Was würde der wichtige, mit WARHlich, WAHRlich, eingeleitete Satz bedeuten?

Wahrlich , Wahrlich ich sage euch: Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohnes und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tag auferwecken. Denn mein Fleisch ist die WAHRE Speise, und mein Blut ist der WAHRE Trank. Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt und ich LEBE um des Vaters willen, also: Wer mich isst, der wird auch LEBEN um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist; nicht wie eure Väter das Manna gegessen haben und dann gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird in Ewigkeit leben (Joh 6, 53-58).

Ja, lieber Luther, was würde dieser Satz dann bedeuten, wenn man Fleisch für Haut und Knochen nehmen würde: Ich gebe mein Fleisch, halte meine Haut und Knochen hin, für die Sünden der Welt? Und wir essen die Haut und Knochen dann auch? Sind wir Kannibalen? Wir essen die Sünden der Welt mit? Man kann den ganzen Zusammenhang doch nicht einfach ausblenden, einen Satz herausnehmen und die Bildlichkeit völlig ignorieren. Eigentlich ist das unfassbar.

Das Fleisch steht für das Wort Gottes, es ist eine andere Metapher wie das Brot. Ich bin das Brot. Mein Fleisch ist Brot. Das Brot ist die Wortnahrung, die ich euch gebe. Deshalb esst es! Das Blut steht für den Geist Gottes. Ich habe gestern ausführlich darüber geschrieben, wie das zu verstehen ist. Ich bin das Brot, ich bin die (Wort-)Speise, esst mein Fleisch und Blut, nehmt das Wort in euch auf. Von dieser Nahrung könnt ihr leben. Genau das sagt er auch bei dem, was man letztes Abendmahl nennt. Das heißt es und nichts anderes ist gemeint. Es gibt absolut keinen Grund, etwas anderes hineinzulesen. Jesu Wort, der ganzer Bezug in der Alten Schrift, gibt das nicht her.

Lieber Luther, Brot ist eine zentrale Metapher in der gesamten Schrift. Der Unterschied zwischen Mose und Jesus besteht darin, dass Mose nichts zu geben hatte, Gott hat Manna regnen lassen. Ganz anders Jesus. Jesus gibt sich ganz, Fleisch und Blut, ich bin das Brot. Das ist etwas ganz anderes, es ist viel mehr. Jesus bringt Gott vom Himmel auf die Erde, macht ihn auf der Erde gegenwärtig. Jesus tut 100% den Willen Gottes, das sagt er selbst. Mose war dagegen ein Gott gegenüber fehlbarer Knecht, er hat oft gehadert, wollte den Auftrag gar nicht annehmen. Jesus kannte solche Anfechtung nicht, er fehlte gegenüber Gott nicht, er haderte gegenüber Gott nicht. In der Mosegeschichte steht das Brot für mangelnde Demut, bei Jesus steht es für 100% Demut. Bei ihm steht es für die WAHRE Nahrung, die WAHRE Wortnahrung. Die Worte, die ich rede, die sind Geist und sind Leben (Joh 6, 63). Jesu Wort!

Herzliche Grüße
Deborrah

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