Krieg in Europa – Es wird zurückgeschossen

Ich kann nicht schweigen und will mich auch nicht des Schweigens schuldig machen. Was in Paris heute Nacht passiert ist, war vorherzusehen. Erst vor wenigen Wochen habe ich schon davon und von Michel Houellebecqs Schreckensszenario geschrieben. Es ist höchst relevant und jetzt schon Wirklichkeit.

Es geht hier nicht um Terroristen, wie man uns gerne glauben macht. Es geht um einen Krieg der Wertesysteme. Immerhin fällt mittlerweile schon das Wort „Krieg“. Er hat Europa erreicht. Die westlichen Politiker befeuern auf der ganzen Welt Kriege, direkt, mit Bomben, oder indirekt mit Waffenlieferungen. Vordergründig wird das mit dem westlichen Wertesystem begründet: Freiheit und Demokratie wird beschworen, gar Liebe und Frieden haben dieselben Politiker heute im Munde geführt. Nebenbei verteilen sie – auch heute – die syrischen Felle, werfen Bomben auf syrische Städte und wenn dabei wieviel auch immer Zivilisten getötet werden, kräht kein Politiker-Hahn danach. Meinen sie dieses ihr Verhalten, wenn sie gerade von Liebe und Frieden auf Erden parlieren?

Kaschiert werden mit diesen Worthülsen tatsächlich Wirtschafts-, Macht- und Herrschaftsinteressen der jeweils herrschenden Politiker. Gern wird „Staat“ im Munde geführt, aber „Staat“ kann nicht handeln. Es sind immer Menschen, die die jeweiligen Entscheidungen treffen. Diese Politiker setzen nun angesichts der Toten in Paris ihre Leidensmiene auf, während sie gleichzeitig in die Welt Einmischung, Waffengewalt und Tod exportieren. Was macht man mit Waffen? Man tötet? Welch eine Überraschung. Solange das nicht um die Ecke bei uns ist, scheint das für sie in Ordnung. Wenn jemand gegen uns die Waffe erhebt, gar gegen sie selbst, dagegen nicht. Wenn mit unserer Hilfe geschossen wird, wird das mit unserem Wertesystem gerechtfertigt, wenn gegen uns geschossen wird, wird das nicht mit unseren Werten kompatible Wertesystem verteufelt. Wertedefinitionsmachtanmaßung und -durchsetzung mit Waffengewalt. Oder bewusster Pakt mit dem Teufel, wie mit der Türkei gerade anschaulich demonstriert, oder mit dem syrischen Präsidenten Sadat. Man ist flexibel, solange es den eigenen Interessen dient.

Wie scheinheilig ist das. Ist es verwunderlich, dass sich das nicht alle Betroffenen gefallen lassen wollen? Dass der Spieß langsam umgedreht wird? Die Waffen, die man geliefert hat, um sie gegen andere zu richten, umgedreht werden? Dass nicht alle brav nach den westlichen Regeln spielen? Dass sich welche dagegen wehren? Dass welche sagen, wenn ihr bei uns bombt, bomben wir bei euch? Ist das alles so verwunderlich? Oder Verantwortungslosigkeit? Oder, noch schlimmer: Berechnendes Inkaufnehmen, ohne das offen auf die Werbeplakate zu schreiben, die ein derartiges Handeln rechtfertigen sollen? Kollateralschaden, wie es in der zynischen Kriegssprache heißt, den man in Kauf nehmen muss zur Durchsetzung der eigenen Interessen?

Jetzt stellen sich dieselben Politiker mit Betroffenheitsmaskierung hin und rattern pflichtbewusst ihre Standardformeln herunter, die sie bei solchen Anlässen parat haben. Alle diese Damen und Herrn haben tätig mit ihrem politischen-, wirtschafts- und sozialpolitischen Tun und Handeln, mit ihrem Lassen und Unterlassen, dazu beigetragen, dass nun auch Krieg in Europa herrscht. Solange man Stellvertreterkriege in anderen Staaten führt, halten sie das für in Ordnung, nein ja geboten. Es ist nicht „der Staat“. Es sind die Politiker, die das zu verantworten haben. Sie sollten an ihr Revers heften: „Ich habe mitgewirkt“, oder noch besser „Ich bin mitschuldig“ – auch an den vielen Toten in Paris. Es werden noch viele folgen.

Jetzt so zu tun, als hätte Frankreich das Problem und nicht ganz Europa, ist genauso scheinheilig. Verteidigen sie nicht sonst bei jeder Gelegenheit, das grenzenlose Europa? Glauben sie wirklich, die Welt ist global, insbesondere wenn es um die Wirtschaftsinteressen geht, der Krieg der Werte aber auf Paris oder Frankreich begrenzt? Hoffen sie, dass die Masse sich für blöd verkaufen lässt? Europa ist ein offenes Scheunentor. Alle Politiker wissen das und nehmen es billigend in Kauf. Damit nehmen sie auch die Toten von Paris billigend in Kauf.

Verdächtig und unüblich schnell hat heute Nacht der amerikanische Präsident Stellung bezogen, mit einem Gesicht, aus dem zu lesen war, dass man so überrascht nicht ist. Die Geheimdienste sind gut informiert. Sollte ihnen das entgangen sein? Bei den vielen Beteiligten an den Anschlägen? In Bayern wurde letzte Woche – per Zufall, durch eine Verkehrskontrolle – ein Fahrzeug voll mit Waffen gestoppt. Im Navi war Paris einprogrammiert. Und keiner der Damen und Herrn Sicherheitspolitiker oder die Geheimdienstler, die sonst in jede private Email ihre Nase stecken, haben sich etwas dabei gedacht? Bei einem der Attentäter wurde ein syrischer Pass gefunden. Wen wundert das? Die werden gerade in Massen gefälscht und verkauft. In Deutschland ist das ein Freibrief zur Einreise. Meinen die Damen und Herrn Politiker die Andersdenkenden, die unserem Wertesystem den Krieg angesagt haben, seien dumm?

Für wie dumm werden wir eigentlich verkauft oder besser, für wie dumm lassen wir uns verkaufen? Viele betteln geradezu danach, für dumm verkauft zu werden und lassen sich vor den Karren einer Agenda sperren, von der sie nur das Werbeplakat kennen. Wir alle sind mitschuldig an den Toten von Paris und den Toten, die noch kommen werden, weil wir alle mitmachen oder zusehen und schweigen. Alles Analogien zu 1933 und den Folgejahren, in der Ausprägung des 21.Jahrhunderts.

Die Masse des Volkes ist leicht zu verführen und zu manipulieren. Die neuen Kommunikationsmedien sind wie geschaffen dafür. Die blau weiß roten Darbietungen am Brandenburger Tor, oder noch geschmackloser bei Facebook, sprechen Bände. Die Volksseele wird medienbewusst kanalisiert. Und wie 1933 möchten Viele nicht die Konsequenzen ihres Handelns durchdenken – erst einmal Tun – und dann, wenn die Toten auf der Straße liegen – öffentlich Betroffenheit bekunden: Das haben wir aber nicht gewollt. Krieg ist nie einseitig. Im Krieg wird immer zurückgeschossen. Die Betonung liegt auf zurück.

Man erntet, was man sät.

Blutroter Freitag

Roter Freitag

10 Kommentare zu „Krieg in Europa – Es wird zurückgeschossen“

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