Die Macht des Betens

Geschichten, die vom wahren Leben erzählen.

Nachdem ich heute mit zweistündiger Flieger-Verspätung ins Wochenende gestartet bin, habe ich zu Hause ein Lebenszeichen vorgefunden. Einen Brief meines weisen Bruders! Er hat sich tatsächlich ins Leben zurückgemeldet. Ich schicke dir, hat er geschrieben, keine Todesanzeige, ich schicke dir ein Lebenszeichen. Ein mannigfaltiges Wunder.

Ich erzähle es, wie auch schon bei anderen Gelegenheiten, wenn es ums Sterben geht, weil diese verschiedenen Sterben vom Leben erzählen und nicht vom Tod, weil sie Mut machen und zeigen: Sterben ist nicht einfach, aber, geglücktes Sterben erzählt vom Leben, dem kein Tod etwas anhaben kann.

Mein weiser Bruder kämpfte, als er sein Telefonat mit mir beendet hatte, mit dem Tod. Er war in tiefster Not. In dieser tiefsten existentiellen Not schlich er sich mit letzter Kraft ins Oratorium vor Jesus , vor seinen Richter, wie er dachte. Wortlos. Hilflos dem Bienenkorb in seinem Kopf und dem Felsenstein auf seiner Brust ausgeliefert. Aber – er starb nicht. Irgendwann schlich er sich in sein Zimmer zurück. Zwei Tage, von denen er nicht mehr weiß, wie er sie zubrachte. Er hat eine unendliche Disziplin und Demut. Am dritten Tag schleppte er sich in die Vigil. Mein weiser Bruder, der Beter, betete:

Psalm 61,2:

Vom Ende der Erde rufe ich zu dir.
Mit verzagendem Herzen,
führe mich auf den FELSEN,
der mir zu hoch ist.

Und Gott hat gehört. Mit einem Schlag verschwand der Bienenkorb in seinem Kopf und der Felsen von seiner Brust. Und er wusste sofort: Gott hat gehört. Er gibt mir Leben.

Die Macht des Betens. Er war mit einem Schlag durch Gottes Willen wieder so klar, dass er den Brief lesen konnte, den ich ihm nach unserem Telefonat geschrieben hatte, und: Er konnte etwas, was er schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr konnte, weil sein Arm es nicht mehr konnte und was ihn selbst völlig überraschte: Er konnte mir einen wunderbar poetischen Brief schreiben, den ich nun in Händen halte und in dem er klar und in allen Einzelheiten beschreibt, was es heißt, den Tod vor Augen zu haben.

Vor einer Woche habe ich 2 Tage geweint vor Schmerz, dass ich diesen wunderbaren Bruder wohl bald verlieren werde. Heute mag ich weinen, ob der Herrlichkeit Gottes, und vor Dankbarkeit, sie schauen zu dürfen.

Die Macht des Betens!

 

Herrlichkeit Gottes

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